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Der Philosoph Karl Christian Friedrich Krause

Wesenschau und Göttliche Kategorien

Dr. Siegfried Pflegerl, Breitenfurt

Den LeserInnen wird der Erkenntnisgang bis zur Schau "Wesen" unter http://www.internetloge.de/krause/krerk.htm empfohlen.

Wir wollen nunmehr versuchen, die kategorialen Neuerungen der Grundwissenschaft zu explizieren, die sich aus der Einen, selben, ganzen, unendlichen und unbedingten Kategorie Wesen (Gott) und Wesenheit (Gottheit) ergeben. Dieser Organismus erfordert die Einführung einer neuen Sprache! Begriffe wie 'Ganzheit', 'Bestimmtheit', 'Gegenheit' usw. haben in diesem System völlig neue Bedeutungen! Eine vollwertige Analyse der Problematik ist mit Sicherheit nur durch ein Studium des II. Teiles der Vorlesungen über das System der Philosophie möglich (19 oder 69).


Der Kategorienorganismus der Grundwissenschaft

Wichtig ist bereits einleitend zu beachten, dass die deutsche Umgangssprache nicht ausreicht, um die hier entwickelten Erkenntnisse genau zu bezeichnen. Es müssen daher einige neue, klarere Bezeichnungen für das Erkannte, für das Gedachte eingeführt werden (z. B. "Or" für das Ungegenheitlich/Ganze/Eine, "ant" für das Gegenheitliche, "mäl" für das Vereinte, "Ab" für die Beziehung des Höheren zum Niederen, "Neb" für die Beziehung von Nebengliedern usw.). Da die hier deduzierten, abgeleiteten Begriffe im System (O) eine andere Bedeutung haben, als in der bisherigen Umgangssprache und den bisherigen Wissenschaftssprachen, werden sie in der Axiomatisierung (O) in einer anderen Schriftgröße geschrieben. Umgekehrt wird hier aber auch dazu angeregt, bisher überhaupt nicht gründlich genug Gedachtes erst einmal überhaupt zu denken.

(O 1) Was Wesen o AN sich ist

Von Wesen und Wesenheit und den besonderen Wesenheiten, welche Wesen an sich, das ist vor und über und ohne jeden inneren unterordnigen Gegensatz weset und ist.

Wesen oder Gott als Inhalt der Wesenschauung (19 oder 69, S. 361 f.) ist auch der Inhalt der einen Aussage, das ist der Einen Kategorie. Der Fortgang der Wissenschaft kann nur an der Wesenschauung selbst genommen werden. Es ist also das zu erforschen, was Wesen an sich ist.

"AN" einem Wesentlichen ist, was von ihm ganz, durchaus gilt. "IN" einem Wesentlichen ist dasjenige Wesentliche, welches von ersterem ein Teil ist, und Gleichartiges des ersteren außer sich hat.

Geschaut wird was Wesen AN sich ist, also noch nicht, inwieweit Wesen vielleicht auch Teile usw. ist (O 1.1). AN Wesen o wird die Wesenheit go (in der FIGUR 2 go, gu, gi, ge usw.) erkannt. Wesenheit (essentia) wird unterschieden an Wesen; oder Gottheit wird unterschieden an Gott. Die Wesenheit aber ist hinsichts Wesens mit Wesen ganz Dasselbe (identisch). Nur endlicher Wesen Wesenheit als solche ist nicht mit dem endlichen Wesen Dasselbe (19 oder 69, 364 f.); denn sie haben ihre oiegne bestimmte Wesenheit zumtheil ausser sich, zumtheil in sich.

An der Wesenheit wird geschaut die Einheit oder Wesenheiteinheit (unitas essentiae), welche nicht mit der Einheit der Form oder der zahligen Einheit (unitas numeri) zu verwechseln ist (19 oder 69, S. 364). Dass Wesen im weiteren (O 1.2) und (O 1.3) auch Zweiheit, Mehrheit, Vielheit, Vereinheit von mehreren Teilen usw. ist und hat, wird hier noch nicht erkannt. Die Einheit, die hier erkannt wird, ist eine ungegliederte, allen Teilheiten und Vielheiten "IN" Wesen übergeordnete Einheit, die wir der Genauigkeit wegen als OrEinheit (go) bezeichnen können.

(O 1.2) AN der Wesenheit als Wesenheiteinheit go werden erschaut als unterschiedene, entgegengesetzte, besondere Theilwesenheiten oder Einzelwesenheiten( als besondere Kategorien oder Momente) die Selbheit (Selbständigkeit) (gi) und die Ganzheit (ge).

Wenn unter Ableiten oder Deducieren, verstanden wird: an oder in der Wesenschauung erkennen, so ist schon die Wesenheit und die beiden Gegenwesenheiten derselben, Selbheit und Ganzheit an Wesen abgeleitet oder deduziert. Wird aber unter Ableiten oder Deducieren ,sowie unter Beweisen oder Demonstrieren, überhaupt ein mittelbares Erkennen eines Wesentlichen an oder in Wesen verstanden, so ist die Erkenntnis der Wesenheit nicht abgeleitet noch bewiesen, wohl aber die Selbheit und die Ganzheit, weil sie an der Wesenheit, und diese an Wesen ist. Wenn endlich unter Anbleiten oder Deducieren, und unter Beweisen oder Demonstriren die mittelbare Erkenntnis eines untergeordnete Wesenlichen irgend einer Stufe, in Wesen verstanden wird, so sind alle Wesenheiten, welche als an Wesen seyende erkannt werden, nicht abgeleitet noch bewiesen, nicht deducirt noch demonstrirt, sondern sie sind die Grundlage jeder Ableitung und Demonstration.

Jeder denkende Geist muss diese Grundwesenheiten der Wesenheit an ihnen selbst schauen (sie in absoluter Intuition percipiren). Der endliche Geist kann aber dazu aufgefordert werden, sie in ihrer ganzen Unbedingtheit zu schaun, indem ihm gezeigt wird, dass er auch sich selbst nach selbigen denkt. (19 oder 69 S. 171 f.).

Die Selbheit bezeichnet man üblicherweise mittelbarer und verneiniger Weise als Unbedingtheit, oder richtiger mit Unbedingheit (Absolutheit) und die Ganzheit mit Unendlichkeit infintias, infinitudo). Das Wort "Ganzheit" meint hier nicht eine Summe von Elementen, die zu einer Ganzheit zusammengefasst sind. (Diese finden sich erst in (O 1.2 und O 1.3.) Wesen o ist IN sich auch Summen von Teilen usw. Aber als Wesen o ist diese Verein-Ganzheit von Teilen noch nicht ersichtlich oder erkennbar. Diese Or-Ganzeit oder unendliche Ganzheit ist ein "über"geordneter Begriff. Das Wort "Selbheit" oder Absolutheit" meint, dass Wesen an sich ist, ohne irgend ein Verhältnis nach außen.

Wesenheiteinheit (go), Selbheit (gi) und Ganzheit (go) stehen in der Gliederung der FIGUR 2 zueinander. Für die Gliederung der Mathematik sind go, gi und ge die Grundaxiome. Für die Lehre von Gegensatz, Negation, positiven und negativen Zahlen sind es die Ableitungen IN go, für die Lehre von den Verhältnissen sind es die Ableitungen IN gi und für die Ganzheitslehre die Ableitungen IN ge. go und ge sind auch miteinander vereint und mit go als gu.

FIGUR 2

Die beiden Theilwesenheiten der Selbheit und der Ganzheit als Theilwesenheiten vereint, sind die Grundwesenheiten der Wesenheitvereinheit (die oberste Vereinkategorie) welche an sich sowohl die mit der Selbheit vereinte Ganzheit als auch die mit der Ganzheit vereinte Selbheit ist (19 oder 69, S. 368f.). die Wesenheitvereinheit ist also auch die Vereinwesenheit der Unbedingheit und der Unendlichkeit.

Die Einheit der Wesenheit selbst in ihrem Unterschiede von ihren beiden Theilwesenheiten, der Selbheit und der Ganzheit und von der Wesenheitvereinheit, als über diesen Grundwesenheiten, ist die Ureinheit der Wesenheit oder die Wesenheitureinheit (19 oder 69, S. 368).

An der Wesenheit selbst zeigt sich ferner die Gegenheit der Gehaltwesenheit (materialen Wesenheit) und der Formwesenheit (formalen Wesenheit, Formheit), oder der Gegensatz des Gehaltes (der Materie) und der Form oder des Was und des Wie.

(O 1.2.1) Wie ist die Wesenheit-Einheit (go) und wie sind im weiteren gi, ge und alle Verbindungen Wesens als o in FIGUR 2? Die FORM der Wesenheit go ist Satzheit (gewöhnlich Gesetztheit, positio, thesis genant) do, welche aber selbst ohne und vor aller Gegenheit oder Gegensatzheit ist und erkannt wird (19 oder 69, S.370 f.). Wesen o ist das eine Gesetzte, Positive. Hier An Wesen o gibt es noch keine Negation, keinen Gegen-Satz usw. Wir bezeichnen diese Satzheit als Or-Satzheit.

Die Formheit oder Satzheit hat ebenfalls, wie die Wesenheit zwei Theilwesenheiten (zwei Theilkategorien als ihre Momente) an sich. Erstlich die Richtheit (Bezugheit, relatio, directio, dimensionalitas) als die Form oder Satzheit der Selbheit, welche auch mit den Wörtern zu, durch und für bezeichnet wird. In Ansehung Wesens selbst ist also die Richtheit die Form seiner Selbheit oder Unbedingheit (19 oder 69, S.371 f.) Die Form der Selbheit gi ist Richtheit di oder Bezugheit (Relationalität), aber auch hier gibt es nur die Eine Richtheit ohne noch ein Hin und Her oder sonstige einzelne Richtungen zu unterscheiden, also Or-Richtheit.

Zweitens die Faßheit (Befaßheit, Befassenheit, Umfangheit, ambitus, latitudo) als die Form oder Satzheit der Ganzheit; welche mit den Worten be, vor, um, ein (z.B. einschließen) bezeichnet wird. In Ansehung Wesens ist sie die Form seiner Ganzheit oder Unendlichkeit (19 oder 69, S. 372 f.). Die Form der Ganzheit ge ist Fassheit de ("um"fangen, befassen). AN Wesen wird noch nicht ein Um-fassen endlicher Ganzer erkannt, sondern dieses Fassen der Or-Ganzheit hat keine Endlichkeit (FIGUR 3).

FIGUR 3

Die beiden Theilwesenheiten Richtheit und Faßheit als Theilwesenheiten der einen Formheit oder Satzheit vereint, sind die Grundwesenheit der Formvereinheit oder Satzvereinheit (Zahlvereinheit). In Ansehung Wesens ist die Formvereinheit die Form der Vereinheit seiner Selbheit und Ganzheit (19 oder 69, S. 372).

Die Einheit der Formheit oder Satzheit selbst in ihrem Unterschiede von ihren beiden Theilwesenheiten der Richtheit und der Faßheit und von der Formvereinheit oder Satzvereinheit als über diesen Grundwesenheiten ist die Ureinheit der Formheit oder Satzheit- die Form-Ureinheit oder Satzheit-Ureinheit (19 oder 69, S. 372).

Auch die Wesenhit ist zugleich an sich vereint mit ihrer Formheit oder Satzheit als satzige Wesenheit oder gesetzter Wesenheit, und als diese ist die Wesenheit an sich die Grundwesenheit oder Kategorie der Seinheit, Daseinheit oder Excistenz; und selbheitlich betrachtet das Sein, das Dasein, das Existiren. Und Wesen selbst als satziges Wesen ist das seiende Wesen, oder kurz das Seiende, Daseiende (19 oder 69, S. 373 bis 376).

An der Seinheit oder Daseinheit selbst wird unterschieden die Einheit der Seinheit, oder die Seinheit-Einheit. Die Seinheit oder Daseinheit ist an sich die beiden nebengegenheitlichen Grundwesenheiten, welche der Selbheit und der Ganzheit, sowie der Richtheit und der Faßheit als Vereinwesenheiten entsprechen; das ist Selbseinheit, Richtseinheit, oder Verhaltseinheit (Verhaltheit) oder Gehaltseinheit (Gehaltheit, Inhaltheit). Die beiden Theilwesenheiten der Verhaltseinheit und der Gehaltseinheit vereint sind die Grundwesenheit der Verein-Seinheit.

Wesen selbst ist an sich seine Wesenheit, das ist: Wesen ist sich seiner Wesenheit inne; oder: Weseninnesein ist eine Grundwesenheit Wesens. Und da sich diese Grundwesenheit auf die Eine, selbe, ganze Wesenheit bezieht, so ist sie selbst: das ungegenheitliche Weseninnesein, das Urweseninnesein, das Weseninnesein nach der Selbheit, das Weseninnesein nach der Ganzheit und das Weseninnesein nach der Vereinheit der Selbheit und der Ganzheit. Das Weseninnesein nach der Selbheit ist das Schauen, Erkennen, Wissen, das Weseninnesien nach der Ganzheit ist Fühlen, Empfinden. Wesen ist mithin sein selbst unbedingt, unendlich, ungegenheitlich inne, dann urwesenlich, dann in unbedingtem, unendlichem Schauen oder Erkennen und in unbedingtem, unendlichem Empfinden (der Seligkeit) und in dem aus dem Erkennen und Empfinden vereinten unbedingtren und unendlichen Selbstinnesein.- und da Gottes Selbstinnesein Gottes Eine, selbe und ganze Wesenheit befasst, ist Gott sich auch seines Selbstinnesein inne; also Gott schaut sein Schauen und sein Empfinden; Gott empfindet sein Schauen und sein Empfinden und so ferner. Und da außer Gott Nichts ist, sondern Gott alles was ist, an oder in sich ist, und Gott sein selbst ganz inne ist, so folgt, dass Gott auch allwissend und allempfindend ist.


(O 2) Was Wesen o IN sich ist

WESENGLIEDBAU

Wesen o ist IN sich zwei ihm als o untergeordnete und IN ihm selbst als Or-Wesen nebengegenheitliche Wesen Vernunft (Geistwesen) i und Natur(Leibwesen) e in obigem Schema. Diese beiden sind AN sich gleichwesentlich und sich darin neben-gegenheitlich sind, dass die eine von beiden ist, was die andere nicht ist und umgekehrt. Wesen o aber, sofern Wesen ÜBER sich selbst als die beiden nebengegenheitlichen entgegengesetzten Wesen i und e ist, ist die Ur-Wesen u, von i und e unterschieden, und insoweit ist Wesen o in sich ein doppelgliedriges AB-Gegenwesen. Wesen ist als u auch vereint mit den beiden Gegenwesen; mit Vernunft als ü und mit Natur als ö. Die beiden Neben-Gegenwesen sind ebenfalls miteinander vereint als Nebenvereinweisen ä worin die Menschheit das innerste Wesen ist. Wesen als Urwesen ist auch mit den Nebenvereinwesen von von Geist und Natur (mit ä) vwereint (a) und in diesem Vereinvereinwesen ist auch Wesen als Urwesen vereint mit der Menschheit. Und Wesen ist der Wesengliedbau in Wesenheitgleicheit nur einmal . (Nähere Ausführungen unten).

(O 2.1) IN Wesen o in der ersten Gliederung sind nur 2 Wesen. Es gibt das Erste und das Zweite, das Zweite ist das Andere des Ersten. Das Erste ist, was das Zweite nicht ist und umgekehrt. Beide sind einander nebenentgegengesetzt, nebengegenheitlich, andererseits ist aber die Entgegengesetztheit der beiden gegen Wesen u eine Ab-gegenheit. Die Gegenheit der beiden Glieder gegen u ist also eine andere als die Gegenheit der beiden i und e gegeneinander. Wesen o ist IN sich beide. Man kann also nicht sagen, das Eine ist Wesen o und das Andere sind die beiden Nebenwesen i und e. sondern es ist zu sagen: Wesen o ist In sich sowohl das Eine als auch das Andere. Unrichtig ist aber zu sagen: Wesen o ist beide. Daraus ergibt sich, dass die innere Gegenheit in Wesen o zwei Glieder hat. Es ist unmöglich anzunehmen, dass die innere Gegenheit nur ein Glied hätte. (Hier liegt z.B. ein wichtiger Unterschied zu Hegel, bei dem nämlich, wie die Tafel unten zeigt, im Werden der Substanz in der 1.Negation nur ein Glied, nämlich das Dasein, das Äußere, die Natur, die Endlichkeit, das Anderssein, die Entfremdung wird.) Dadurch dass das eine der beiden Inwesen i nicht ist, was das andere ist, wird von Wesen o überhaupt nichts verneint. Dadurch, dass Wesen o in sich die beiden Wesen i und e ist, wird Wesen nicht zum Anderen, wird von ihm auch überhaupt nichts verneint. Weiterhin ist zu beachten, dass Wesen o, soweit Wesen ÜBER i und e ist, und erst in dieser Hinsicht eine Beziehung nach innen hat, in (O 1) aber, AN der Wesen o solche Beziehungen nicht gegeben sind ( Es sei denn, man meint alle Beziehungen, die wir in (O 1) darlegten, diese Beziehungen sind Aber AN-Beziehungen.).


GLIEDBAU DER WESENHEIT

Auf gleiche Weise ist die Wesenheit Wesens der Eine Gliedbai der Wesenheit (der Wesenheitgliedbau, der Organismus der Kategorien) so dass die Eine Wesenheit ungegenheitlich, gegenheitlich und vereinheitlich (thetisch, antithetisch, synthetisch) ist.

Wenn statt Gegensatz gesagt wird: Gegenheit und statt subordinativ unterordnig oder abordnig statt coordinativ nebenordnig, statt cosubordinativ unternebenordnig und noch mehr, wenn statt ungegenheitlich, gegenheitlich und vereinheitlich gesagt wird: or, ant, mäl, so entspringt eine sehr kurze Kunstbenennung (Terminologie) der Grundwesenheiten.

(O 2.2) Die in (O 1.2) angeführten Begriffe der Wesenheit go und ihrer AN-Gliederung, also Wesenheiteinheit, Selbheit (O 2.2)

also Wesenheiteinheit, Selbeit und Ganzheit (FIGUR 2) erfahren bei der Gliederung Wesen o IN (O 2) durch die Glieder u und die beiden Glieder i und e ebenfalls eine Ab-Gegen-, Neben-Gegen- und Vereingliederung, die folgend darstellbar ist:

(O 2.2.1) Die Wesenheit go, erfährt in den beiden Gliedern i und e eine Veränderung. Die Neben-Gegen-Wesenheit der beiden Glieder ist ihre Artheit (Art, Qualität). In Wesen o ist zuerst einmal eine nur zweigliedrige Artheit: der qualitative Unterschied zwischen i und e.

(O 2.2.2) Für die beiden Nebengegen-Glieder i und e ergibt sich als Gegenheit der Selbheit (gi) die Verhaltheit, das Verhältnis. Sie stehen zueinander in einem Neben-Verhältnis, zu gu in einem Über-Unterverhältnis usw. AN Wesen o in (O 1) gibt es keine Gegen-Verhältnisse, sondern die Eine Selbheit, als Or-Selbheit. i verhält sich zu e in bestimmter Weise. Das Gegenselbe steht sich als ein Anderes wechselseitig entgegen, eines ist des anderen Objekt.

(O 2.2.3) Für die beiden Neben-Gegenglieder i und e ergibt sich als Gegenheit der Ganzheit (Or-Ganzheit Wesen o) die Teilheit. Das Gegenganze ist Teilheit. Wesen o ist IN sich zwei und nur zwei Teile i und e. Hier ist auch die höchste Grundlage des Mengenbegriffes gegeben. Man kann nicht sagen: Wesen o ist eine Menge, weil AN Wesen überhaupt keine Teilheit ist, wohl aber Wesen o ist IN sich in dieser ersten Gegenheit zwei und nur zwei Teile (Elemente). Wir unterscheiden aber die Ab-Teilung von der Neben-Teilung. Denn die untergegenheitlichen Teile nennt man Unter-Teile, (Ab-Ant-Ganze). In der Vereinigung ergibt sich das Vereinganze der Teile, die Erste Summenbildung von i und e.

Die Wesenheit ist also Gegenwesenheit und Vereinwesenheit. Die Gegenwesenheit ist selbst gegenheitlich und vereinheitlich als Abgegenwesenheit, Nebengegenweisenheit und Ab-Nebengegenwesenheit. Die Wesenheit als oberes Glied der Abgegenheit ist Urgegenwesenheit. Die Abgegenwesenheit ist eine doppelte, das ist die Urgegenwesenheit gegen die beiden Glieder der Nebengegenwesenheit. Die Gegenwesenheit wird Artheit (qualitas) genannt.

In der Grundwissenschaft des Wesengliedbaus ergibt sich hier die qualitative Nebengenheit zwischen Geist (i) und Natur(e). Auch hier zeigt sich wiederum der Unterschied zu Hegel, bei welchem die Natur (e) im Werden 1 der Substanz, in der Negation 1 als Entäußerung des Geistes als das sich wissende Absolute in die Natur wird ( als Dasein, Äußeres, Natur, das Bestimmte, die Endlichkeit, die Entfremdung, das Anderssein) um schließlich im Werden des Daseins, in der Negation 2, der Reflexion im Anderssein in sich selbst, als aufgehobener, in sich reflektierter Gegenstand in Aufhebung und Kampf zum Geist, Fürsich, Resultat und Ende wird.

(O 2.3). Auch hinsichtlich des Wie der Wesenheit usw. hinsichtlich der Begriffe der Formheit do usw. ergeben sich für die gegenheitlichen Glieder i und e neue Bestimmungen.

Unter (O 1.2.1) fanden wir, dass Wesen o Satzheit do hat. Hinsichtlich der Gliederung o, i, e, usw. ergibt sich hier Gegen-Satzheit und zwar wiederum Neben-Gegensatz zwischen i und e, Ab-Gegensatzheit zwischen u und i usw. Die Gegensatzheit ist die Bestimmtheit. Bestimmtheit ist also eine Teilwesenheit an der Satzheit als Gegensatzheit. i ist also gegen e bestimmt, aber auch u bestimmt e und i usw. Diese Gegensatzheit hat selbst auch eine Form. Die Or-Satzheit ist der Form nach ganz Jaheit, ohne Neinheit, also Or-Jaheit. Diese Jaheit ist nun selbst wiederum gegliedert:

Statt der Or-Jaheit kann man sagen, die unendliche und unbedingte Positivität. Was die Gegen-Jaheit betrifft, so ist diese zugleich Gegen-Neinheit, entgegengesetzte Verneinheit (oppositive Negativität). Das Nein oder Nicht wird daher (nur bzw. erst) hier in erkannt. Die Gegenneinheit ist nur an der Gegenjaheit. Dadurch dass i bestimmt ist als das Eine von zwei Wesentlichen, ist es auch zugleich bestimmt als nicht sein Anderes, sein Gegenheitliches, hier also e ist von ihm verneint. Das Nein ist also nur in einerBeziehung gegen ein Anderes. Durch die gegenseitige Teilverneinung i gegen e und umgekehrt, wird von der Unendlichkeit und Unbedingten Wesens o überhaupt nichts verneint. (Auch hier wieder ein wichtiger Unterschied zu Hegel, bei welchem sehr wohl im Werden der Substanz, in der Entäußerung des Geistes eine Negation derselben angenommen wird.) Hinsichtlich Wesens o ist das Nicht nicht. Die Bestimmtheit i gegen e besteht darin, dass es e ausschließt. Hier liegt die Grundlage der Wörter ja, nein, Nichts, des logischen "ist nicht". Zu beachten sind natürlich auch die Gegenjaheiten von Wesen u gegen i bzw. e (Unter-Gegen-Verneinung oder Ab-Ant-Verneinung).

(O 2.3.1) Auch die Satz-Einheit, an Wesen o, als unendliche und unbedingte Einheit der Satzheit (oder Zahleinheit), ist hier gegenheitlich zu finden als:

also Satz-Gegeneinheit, Satz-Vereinheit. Für die Zahl-Gegeneinheit wird das Wort Vielheit oder Mehrheit benützt. Zu beachten ist aber, dass hier noch keine Vielheit gegeben ist, die mehr als Zweiheit wäre (Gegeneinheit). Statt der Vereinzahlheit sagt man Allheit, Totalität, die aber hier nur aus zwei vereinten Gegen-Gliedern besteht. Von Wesen o gilt unbedingte und unendliche Zahleinheit, keine Vielheit, oder Mehrheit, keine Allheit. Wesen o ist IN/UNTER sich die Vielheit und das Viele, die Allheit und das All oder die Totalität, das Universum aller Glieder in sich. Jede ursprüngliche Vielheit in Wesen o ist eine Zweiheit, und jede Vereinzahlheit ursprünglich eine vereinte Zweiheit, da der Gegensatz, oder die nach Ja und Nein bestimmte Gegenheit nur zweigliedrig ist. Die unbestimmte Vielheit oder Vielzahligkeit ist hier noch nicht gegeben, z.B. die unendliche Vielzahligkeit 1, 2, 3, 4, 5, usw.

Hier liegen die Grundlagen der Zahlentheorie: die oberste Zahl ist die unendliche, unbedingte Eins (o). In ihr sind die beiden gegenheitlichen Zahlen i und e, die ebenfalls noch unendlich sind, aber gegeneinander begrenzt. Sie sind nicht mehr absolut, sondern gegeneinander und gegen u relativ. Hier liegen die Grundlagen der widerspruchsfreien Mengenlehre. Denn die beiden ersten "Mengen", INNEREN Elemente, von o sind i und e, beide selbst noch unendlich, aber bereits relativ.

(O 2.3.1.1) Die Form der Satzeinheit oder Zahleinheit ist die unendliche, unbedingte Jaheit. Die Jaheit ist dann selbst wiederum gegliedert wie unter (O 2.3). Daraus ergibt sich die Jaheit und Neinheit der Zahlheit, hier aber erst für die beiden Teile i und e. Hier findet sich die Grundlage der mathematischen Lehre von den Zahlen und Gegenzahlen (den positiven und negativen Zahlen).

(O 2.3.1.2) Auch die Richtheit di (als Form der Selbheit in O 1.2.1) erfährt hier weitere Bestimmung:

Hier wird die Gegenrichtheit erkannt. Weiters ist die Richtung von u nach i und e und umgekehrt von i nach u usw. zu erkennen. Anstatt Richtheit sagt man gewöhnlich Dimension, Erstreckung. Der Begriff der Richtheit ist für die Ausbildung der Mathematik wichtig, bisher aber ungenau erkannt und entwickelt. Hier ist zu unterscheiden: die Eine Ganze Richtheit (Or-Richtheit di) Wesen o; die Neben-Gegenrichtheit an den Teilganzen i und e und andererseits die Ab-Gegenrichtheit u gegen i und e usw. Hier hat der Begriff der Richtheit noch nichts mit Zeit, Raum und Bewegung zu tun. (In der Umgangssprache wird Richtung ausgedrückt durch: hin und her, auf und ab, hinüber und herüber.)

(O 2.3.1.3) Auch die eine selbe ganze Fassheit de, als Form der Ganzheit erfährt hier Bestimmung.

Wesen o hat "ungeteilte" ganze Fassheit (Or-Fassheit), die beiden inneren Teile i und e haben Neben-Gegenfassheit, u hat gegen i und e Ab-Gegen-Fassheit, schließlich erkennen wir alle Vereinfassheiten. Auch hier kann man sagen, dass Wesen o ganze Fass-Jaheit hat, dass aber von i und e neben-wechselseitig Fassjaheit und Fassneinheit gilt. Denn i fasst das, was e nicht fasst und umgekehrt. Daraus ergibt sich das In-Sein und Außensein. e ist außer i und i ist außer e.

(O 2.3.1.3.1) An dieser Stelle müssen wir noch genauer fragen: Wie ist die FORM dieses In-und Außensein? Die Form dieses einander In- und Außenseins ist die Grenzheit. Grenzheit, Grenze ist also die Form des Gegenfassigen. Es ist also deutlich, dass An Wesen o keine Grenze ist, sondern dass erst in der ersten In-Teilung derselben, an i und e die Grenzheit erkannt wird. i und e haben daher eine gemeinsame Grenze.

(O 2.3.1.3.2) Fragen wir nun, was ist IN dem, was da ingefasst, eingefasst wird. Der Inhalt des Infassigen wird als groß oder Großheit bezeichnet. Damit Größe da sein kann, muss etwas innerhalb bestimmter Grenzheit bejahig befasst sein. Der Begriff der Großheit ist wiederum für die Mathematik grundlegend. Man hat daher die Mathematik oft irrtümlich auf die Größenlehre beschränkt. Hier wird aber gezeigt, dass die Mathematik viel mehr umfasst, und dass der Begriff der Großheit bisher auch nicht richtig erkannt wurde.

Betrachten wir das inbegrenzte Große, so erscheint die Grenze desselben als dessen Ende, als Endheit, oder umgekehrt als Anfang. Hier erkennen wir die Begriffe Endheit, Endlichkeit, und Un-Endlichkeit. Die Endlichkeit ist eine Bestimmung der Grenzheit, die Grenzheit wieder eine Bestimmung der Gegenfaßheit an der Großheit und mithin daher eine Bestimmung der Ganzheit als Gegenganzheit. Daraus zeigt sich, dss der Begriff der Endlichkeit nicht richtig gefunden wird, ohne die Begriffe der Einen, selben, ganzen Richtheit (di), der Faßheit (de) und der >Ganzheit

(O 3) In der dritten Erkenntnis fassen wir zusammen, was bisher erkannt wurde, also was Wesen o AN und IN sich ist.

Es gilt: Wesen o ist AN sich und IN sich ein Organismus, heute würde man auch sagen eine Struktur. Die An-Gliederung und die Ingliederung wurden unter (O 1 und O 2) dargestellt.

(O 3.1) Dieser bisher dargestellte Gliedbau (Organismus, Struktur) Wesen o ist "voll"ständig. Hier ergibt sich die erste Erkenntnis hinsichtlich der Begriffe ALL-heit, Totalitiät. Diese Allheit ist aber nicht irgendeine unbestimmte verschwommene, sondern die Gliederung ist deutlich bestimmt.

(O 3.1.1) Aus dieser Gliederung ergibt sich auch, dass die Gegenheit nur zweigliedrig ist, denn es gibt keine anderen inneren Glieder Wesen o als i und e, und deren Jaheit und Gegenjaheit (Neinheit). Natürlich gibt es auch "noch endlichere" Glieder in o, aber das wird sich erst im folgenden ergeben.

(O 3.1.2) Für diesen gegliederten Organismus gilt auch, dass alle hier entwickelten Begriffe aufeinander anzuwenden sind. So hat z.B. die Ganzheit (ge) auch Wesenheit, Selbheit und Gegenselbheit, also Verhaltheit, Ganzheit, sie hat eine bestimmte Form oder ist in bestimmter Grenzheit, gegenüber der Selbheit, usw. Wenn also derjenige Teil der Mathematik, der sich mit Größen beschäftigt, voll ausgebildet werden soll, dann muss an der unendlichen und nach innen absoluten Ganzheit (hier Or-Ganzheit Wesens o) begonnen werden, was bisher nicht geschehen ist. Ein anderer Zweig der Mathematik ergibt sich aber aus der Selbheit (gi) und Gegenselbheit (Verhaltheit, Verhältnis), wenn dieser Begriff nach allen anderen Begriffen durchbestimmt wird (z.B. die Lehre von den Proportionen usw.).

(O 4.1) Jeder der beiden Teile i und e in Wesen o (und auch die Vereinigung der beiden) ist selbst wiederum AN und IN sich Struktur, Organismus gemäß der Struktur (O 1-3), also hat selbst wieder eine Wesen o ähnliche Struktur.

Es gilt: Wie sich Wesen o zu u, i und e und deren Gegenheiten und Vereinheiten verhält, so verhält sich wiederum i zu dem, was es IN sich ist, usw...

(O 4.1.1) Die Form dieses Ähnlichkeitsverhältnisses ist die Stufung, Abstufung (Stufheit), wobei sich das unter (O 2.3.1.3) dargestellte Insein und Außensein nach innen fortsetzt.

Der Wesengliedbau und der Wesenheitgliedbau ist nach jedem seiner Teile selbst wiederum untergeordneter Teilwesengliedbau und Teilwesenheitgliedbau, wodruch die abwärts gehende Verhaltgleichheit gegeben wird. Wie sich verhät Wesen zu Wesengliedbau, so verhält sich jedes Glied des Wesengliedbaues der ersten Gliederungzu seinem inneren Wesengliedbau, also: wie sich verhält Wesen zu sich selbst als Urwesen, als Vernunft, asl Natur und Vereinwesen der Vernunft und der Natur so verhält sich ein jedes der vier Glieder wiederum zu dem, was es in sich ist. Sehen wir hier nun auf die Form welche sich in der soeben erschauten Wesenheit, das ist, an der erklärten Verhältnisgleichheit oder Proportion, findet, so ist diese Form die der Stufheit, oder Abstufung (gradualitas oder potentialitas), wonach dasselbe Verhältnis des Inseins nach Innen wiederholt wird. Alle Wesen sind Potenzen des Absoluten (Wesens o) und alle Wesenheiten Potenzen der absoluten Wesenheit (go).

(O 4.1.4) An diesen endlichen Gliedern (Elementen) in/unter o ist nun in zweifacher Hinsicht Unendlichkeit.

  1. In den Gliedern i, e und ihrer Vereinigung gibt es jeweils unendlich viele unendlich endliche Elemente (a1..,b1..,c1..).

  2. Jedes unendlich endliche Glied a1, usw. ist selbst weiter unendlich teilbar und bestimmbar.

(O 4.1.5) Das Endliche, Bestimmte oder Individuelle jeder Art und Stufe ist also nicht isoliert, gleichsam losgetrennt von dem, was neben und außer, bzw. über ihm ist (z.B. a1 von o), es ist in/unter seinem höheren Ganzen und mit ihm vereint, wie auch mit den Nebengliedern.

(O 4.1.5.1) Aus den bisherigen inneren Gliederungen der Wesens o ergeben sich nun folgende weitere axiomatische Folgerungen:

Die Stufung der Grenzheit und die Großheit sind nun mit der Selbheit und der Gegen-Selbheit, also der Verhaltheit verbunden (vereint). Die allgemeine Lehre von der Verhaltheit (von den Verhältnissen) begreift in sich Verhältnis, Verhältnisgleichheit (Analogie, Proportion), Verhältnis-Ungleichheit (Disproportion), Verhältnisreihe (Progression), nach gleichen oder ungleichen Verhältnissen; die ersten Reihen sind Gleichverhaltreihen oder Verhaltstufreihen (Potenzreihen). Hinsichtlich der Verhältnisgleichheit zeigt die reine Selbheitlehre zwei Grundoperationen: zu einen gegebenen Musterverhalte und einem gegebenen Hinterglied das gleichverhaltige Vorderglied zu finden; oder: zu einem gegebenen Vorderglied das gleichverhaltige Hinterglied zu finden. Auf die Ganzheit angewandt sind dies das Multiplizieren (Vorgliedbilden) und Dividieren (Nachgliedbilden).

(O 4.1.5.2) Ferner entsteht hier das grenzheitsstufliche Verhältnis, also das Verhältnis von Ganzen, die zu verschiedenen Stufen der Grenzheit gehören, als auch grenzheitsstufliche Verhältnisgleichheit, Verhältnis-Ungleichheit und Verhältnisreihe. Auch die analogen Axiome hinsichtlich der Verhältnisse von solchen Ganzen, die innerhalb einer und der selben Stufe der Grenzheit enthalten sind.

Die Erkenntnis der Stufen der Grenzheit ist von besonderer Wichtigkeit für die neuen Grundlagen der Logik und Mathematik.

Anhand der Arten der Räume wollen wir daher die Bedeutung der Stufen der Grenzheit näher zu erklären versuchen:

1. Räume

Der unendliche und unbedingte Raum o (Or-Raum) ist in allen drei Richtungen unendlich, hat also keine Grenzheit hinsichtlich der Richtheit. Der Räume i und e in Zeichnung 1, haben ebenfalls hinsichtlich keiner Richtung eine Grenze, sind also auch in alle drei Richtungen unendlich. Wenn auch die Richtung dä in zwei Hälften zerfällt, so ist doch das halbe dä in Richtung i unendlich lange, wie auch in Richtung e. Die Räume i und e haben daher die selbe Grenzheitstufe, wie der Raum o (Or-Raum).

Die nächste Grenzheitstufe des Raumes in sich ist durch zwei unendliche rote Flächen als Grenzen bestimmt, wie in Zeichnung 2 dargestellt. Der Raum zwischen den roten Fläche X1 und X2 ist daher nur mehr in 2 Richtungen unendlich, in einer Richtung aber endlich. Dieser Raum G ist hinsichtlich der Grenzheitstufe von den Räumen i und e sowie dem Or-Raum o artheitlich unterschieden. Zu beachten ist, dass ein solcher Raum sowohl in i als auch in e als auch in beiden sein kann.

Die nächste innere Art der Grenzstufheit der Räume ist dadurch gegeben, dass in einer zweiten Richtung Endlichkeit gegeben ist. In Zeichnung 3 ist eine unendlich lange, viereckige Säule gegeben, die durch die unendlichen roten Flächen X1, X2 und die unendlichen grünen Flächen Y1, Y2 begrenzt ist. Auch hinsichtlich der Richtung de ist nun Grenzheit gegeben, hinsichtlich d aber immer noch Unendlichkeit. Auch ein solcher Raum kann in i, e oder in beiden gelegen sein.

Schließlich ist noch eine dritte Art der Grenzheitstufung des Raumes zu erkennen, wenn nämlich in allen drei Richtungen Endlichkeit gegeben ist, wie in Zeichnung 4, wo durch die Begrenzung der endlichen roten Flächen X1, X2, endlichen grünen Flächen Y1, Y2 und endlichen blauen Flächen Z1, Z2 ein Würfel oder Quader entsteht. Endlicher kann ein Raum nicht mehr werden. Er ist unendlich endlich. Der Raum hat also in sich 3 Arten von In-Räumen.

2.Flächen

Fläche gilt als Raum ohne Tiefe. (Nicht im Sinne nicht-euklidischer Geometrien, für welche natürlich modifizierte Regelungen gelten, hinsichtlich der Frage der inneren Grenzheitstufen aber die gleichen Kategorien modifiziert Anwendung finden müssen.) Im üblichen Sinne ist daher Fläche definiert als Raum mit zwei Dimensionen. Auch hier gilt wieder, dass bei der ersten In-Gliederung der unendlichen Fläche in Zeichnung 1 durch die Linie di zwei Teile der Fläche entstehen, die jeweils den oberen Teil der Richtung de und den unteren Teil derselben befassen, dass aber in der Richtung de keine Grenzheitstufe der Fläche gegeben ist, weil de in beide Richtungen noch unendlich lange ist.

Erst wenn, wie in Zeichnung 5 durch zwei Linien m1 und m2 die Richtung de endlich wird, z.B. 3 cm lang, entsteht eine Fläche mit der ersten inneren Grenzheitstufe der Fläche eine Fläche also, die in der Art von der unendlichen Fläche und den beiden Hälften derselben unterschieden ist. Die Fläche M ist nur mehr in einer Richtung unendlich. Die Fläche hat aber noch eine weitere innere Grenzheitstufe, die in Zeichnung 6 dargestellt ist. Wird auch die Richtung di endlich, durch die beiden Geraden n1 und n2, entsteht eine in jeder Richtung endliche Fläche. Die Fläche hat also in sich zwei Arten von In-Flächen, die nach der Stufung der Grenzheit unterschieden sind.

3. Linie

Hinsichtlich der Linie und ihren Grenzheitstufen sind folgende Deduktionen zu beachten:

Betrachten wir die Linie (1), so ist sie eine unendlich lange, gerade Linie o.

Nun blicken wir auf die Linie (2), die schon in der Linie (1) ist. Sie zeigt uns, was die Linie (1) in sich ist. Die Linie (1) ist in sich zwei und nur zwei Linien, i und e, die beide noch unendlich lang, aber doch insoweit gegenheitlich sind, als die eine ist, was die andere nicht ist und umgekehrt, das heißt, sie verneinen und begrenzen einander teilweise. Jede der beiden ist zwar noch unendlich lang, aber der Punkt x ist ihre Grenze gegeneinander.

Hier in dieser ersten Ableitung der Linie (1) nach innen erkennen wir, dass es in der ersten Ableitung nach innen, wenn man von einem unendlichen Ganzen ausgeht, nur zwei Glieder gibt, die beide noch unendlich sind. Die beiden Linien haben daher die gleiche Grenzheitstufe, wie die Linie o Wir sehen weiter, dass hier eine Neben-Gegen-Verneinung von i und e entsteht, wodurch aber die Linie (1) in keiner Weise negiert wird. Was heißt der Begriff Neben-Gegen-Verneinung? Die Linie i ist neben der Linie e, aber die eine ist, was die andere nicht ist und umgekehrt. Betrachten wir jetzt die Linie (1) mit der Linie (2) in Verbindung, so wird sichtbar, dass die Linie (1) als Ur-Linie über i und e steht und mit beiden verbunden ist. Als Ur-Linie ist die Linie (1) über beiden, die beiden sind unter ihr.

Die Linie (3) zeigt die zweite Stufe der Ableitung nach innen. Wir sehen, dass es in der Welt der Linie (1), in der zweiten Stufe nach innen, neue Arten von Linien gibt. Auf der Linie i gibt es unendlich viele Linien (a1, b1 usw.). Auf der Linie e gibt es unendlich viele Linien (a2, b2 usw.). Es gibt jedoch auch unendlich viele Linien, die sowohl auf i als auch auf e liegen (a3, b3 usw.).Diese beidseitig begrenzten Linien gehören daher einer neuen Art von Linien an, die bilden die letzte Grenzheitstufe der Linie nach innen. Begrenzter, als auf beiden Seiten begrenzt, kann eine Linie nicht sein.

(O 4.1.5.3) Hier ergeben sich nun zwei in der bisherigen Mathematik und Mengenlehre nicht beachtete wichtige Folgerungen:

Jede selbganzwesenliche also unendliche und ansich unbedingte Einheit jeder Art und Stufe (hier Wesen o) ist in/unter sich unendlich viele Einheiten der nächstniederen Grenzheitsstufe und so ferner bis zur untersten Grundstufe. Diese Grundstufe ist nach allen Richtheiten (Strecken, Dimensionen) endlich, und besteht selbst wiederum aus unendlich vielen Einheiten dieser untersten Stufe Jede jedstufige unendliche Einheit besteht aus unendlich vielen unendlich endlichen Einheiten der untersten Stufe.

(O 4.1.5.4) Hier zeigt sich auch der Grundbegriff der unendlichen Vielheit und darin der unbestimmten Vielheit oder der unendlichen und darin der unbestimmten Zahlheit, wobei ein Unendlich-Ganzes des Gleichartigen vorausgesetzt wird, worin innerhalb vollendet bestimmter Grenze, die endliche Einheit der Unendlichkeit des Ganzen wegen, willkürlich angenommen wird.

(O 4.1.5.4.1) Hierauf beruht die mathematische Voraussetzung, dass die Zahlenreihe 1,2,3,.. und so fort unendlich ist und dass auch wiederum an jeder Zahl die ganze Zahlenreihe darstellbar ist, durch Zweiteilung, Dreiteilung, Vierteilung usw. ohne Ende. Diese hier bewiesene, unendliche und unbestimmte Vielheit, als Grundaxiom der allgemeinen Zahlheitlehre (Arithmetik und Analysis) ist wiederum eine doppelte. Einmal die unendliche Artvielheit oder Artzahlheit von Einheiten, welche artverschieden sind, oder die Zahlheit der diskreten Zahlen. (Dies ergibt sich aus dem obigen Satz O 4.1.5.3)

Hier zeigt sich aber zum anderen auch die unendliche stetige Zahlheit, oder Stetzahlheit an Einheiten, welche in ihrem stetigen Ganzen selbst binnen bestimmbarer Grenze stetig und unendlich teilbar sind. Dies ergibt sich aus: Alles Stetige, Wesenheitgleiche ist in sich unendlich bestimmbar und teilbar. Die Lehre von der Artzahlheit ist übrigens von der Stetzahlheit zu unterscheiden.

(O 4.1.5.4.2) Im weiteren ergibt sich hieraus das Axiom der stetigen Großheit, und der stetigen Größen: unendliche Teilbarkeit, unendliche Vielmaligkeit jedes Endlichen in seinem Unendlichen der nächsthöheren Stufe; die Gegenrichtheit hinsichtlich der Richtheit (Strecke, Dimension), das ist die Lehre von den gegenrichtheitlichen Größen, den positiven und negativen Größen. Ferner die Axiome der Stetgroßheit und der Stetgrößen nach der SELBHEIT und der VERHALTHEIT. Denn es ist eine Größe entweder eine selbheitliche Größe (Selbgröße; absolute Größe) oder eine verhaltliche Größe (gegenselbheitliche Größe), Verhaltgröße, relative Größe, welche hinsichtlich der mit ihr verglichenen Größe groß oder klein ist. Die Größeverhaltheit ist selbst wiederum eine der Gegenselbheit (ein arithmetisches Verhältnis oder Restverhältnis) oder eine der Vereinselbheit, darunter auch der Vielheit (ein sogenanntes geometrisches Verhältnis). Das gleiche gilt von der Verhaltheit hinsichtlich der Stetgroßheit.

(O 4.1.5.4.3) Alle Größen der selben Grenzheitsstufe stehen zu einer jeden beliebigen Größe der gleichen Grenzheitsstufe in einem bestimmten Größenverhältnis, welche letztere, wenn sie das bestimmende Glied jedes Verhältnisses ist, die Grundeinheit oder absolute Einheit genannt wird. (z. B. Verhältnis 1 zu 3 oder 3 zu 1 usw.) Jedes Verhältnis der Ungleichheit ist diesseits oder jenseits des Verhältnisses 1..1, und zwar entweder eines der größeren Ungleichheit z.B. 3 zu 1 oder der kleineren Ungleichheit z.B. 1 zu 3. [vgl. auch vorne unter (O 4.1.5.1) die Grundoperationen des Multiplizierens und Dividierens].

(O 4.1.5.4.4) Rein nach der Grundwesenheit der Selbheit sind an dem Stetgroßen folgende Operationen gegeben: Addition und Subtraktion, indem entweder aus den Teilen das Teilganze oder aus einem oder mehreren Teilen des Teilganzen der andere Teil (der Rest) bestimmt wird.

(O 4.1.5.4.5) Die Verhaltheit der Stetgrößen ist selbst artgegenheitlich (qualitativ) verschieden. Denn sie ist, wie alles Endliche, Bestimmte selbst nach Unendlichkeit und Endlichkeit bestimmt. Daher ist jedes geometrische Verhältnis zweier Stetgrößen entweder ein unendliches oder ein endliches. Ersteres, wenn keine gemeinsame Einheit diese beide Glieder misst, das Verhältnis also unzahlig oder unwechselmeßbar (irrational und inkommensurabel) ist, letzteres, wenn beide Glieder von derselben Einheit gemessen werden, das Verhältnis also zahlig und wechselmeßbar ist.

(O 4.1.5.5) Für die Begründung einer antinomienfreien Mengenlehre ist folgender Satz fundamental: Ein jedes Glied, ein jeder Teil einer bestimmten Grenzheitsstufe hat zu dem ihm übergeordneten Ganzen der nächsthöheren Grenzheitsstufe überhaupt kein Verhältnis der Großheit oder endlichen Vielheit. Man kann also nicht sagen: Wesen o oder i sind größer als endliche Glieder in ihnen. Wir haben zu beachten: Es gibt die Zahl, "Or-Größe" Wesen o, dann die beiden In-Größen i und e, und schließlich die unendlich endlichen Größen wie z.B. Menschen oder Pflanzen(Zur Überwindung der Antinomien der Mengenlehre siehe unten).

(O 5) Das Werden

Die beiden In-Wesen in Gott, nämlich i und e, sind jede in ihrer Art unendlich, aber in ihrer Unendlichkeit im Innern unendlich bestimmt, das ist vollendet endlich und zwar insbesondere als diese beiden Teile in o; das ist, sie sind in sich eine unendliche Zahl vollendet endlicher, nach allen Wesenheiten bestimmter, Einzelwesen (O 4.1.2 ), denen wiederum alle Kategorien auf vollendet endliche Weise zukommen, und die in, mit und durcheinander zugleich in ihrem unendlichen Ganzen, von i und e sind.

Da i und e in o, durch o, nach ihrer ganzen Wesenheit vereint sind, so sind sie es auch, sofern sie die beiden entgegenstehenden Reihen vollendet endlicher Wesen in sich sind und enthalten; so dass diese beiden Reihen vereint sind. Es sind dies die unendlich vielen Wesen, die sowohl in i als auch in e sind. Darin gibt es wieder einen Typ unendlich vieler Wesen, die Mensche, welche im innersten Vereinwesen von i und e nämlich a in a sind. Die vollendet endlichen Wesen in i und e und deren Vereinigung haben unendlich viele Zustände in sich.

Der vollendet endlichen Zustände sind unendlich viele, weil auch die Wesenheit des Endlichen, als solche, wiederum unendlich ist (siehe O 4.1.4); und nur alle diese Zustände, alle zugleich sind die ganze, vollendet endliche Wesenheit dieses unendlich-endlichen Wesens, deren Zustände sie sind. Gleichwohl schließen sich alle diese vollendet endlichen Zustände an demselben Wesenlichen wechselseitig aus, da sie mit unendlicher Bestimmtheit alles Andere nicht sind. Also ist das vollendet endliche Wesen (z.B. Pflanze oder Mensch) beides zugleich, das ist, alle seine Zustände, und doch nur auf einmal ein jeder von diesen Zuständen einzeln; das ist: sie ist in steter Änderung nach der Form der Zeit, sie ist ein stetiges Werden.

Also sind die unendlich-endlichen Wesen selbst vor und über ihrem Werden in der Zeit; sie selbst entstehen und vergehen nicht, sondern nur ihre unendlich endlichen bestimmten Zustände. Auch das Ändern selbst ist unänderlich, und bleibend in der Zeit. Auch die Zeit ist unendlich, unentstanden, und ihr stetig fortschreitender Verflußpunkt ist einer für Wesen o und für alle Wesen in o. Alles in der Zeit Werdende ist die Wesenheit Wesens o und aller Wesen in Wesen selbst, wie sie in sich als vollendete Endlichkeit ist, und sich offenbart. Alles Individuelle eines jeden Verflusspunktes (Momentes) ist eine eigentümliche und einzige Darstellung der ganzen Wesenheit Wesens o in seinen Wesen in sich; oder jeder Moment des Geschehens (der Geschichte) ist einzig, von unbedingtem göttlichen Inhalt und Werte. Wesen o selbst als das Eine, selbe, ganze ändert sich nicht, und ist in keiner Hinsicht zeitlich, oder in der Zeit; denn in keiner Hinsicht ist Wesen o an sich Endlichkeit, noch ist eine Grenze um Wesen o und die vollendete zeitlichwerdende Endlichkeit ist nur an dem Wesenlichen in Wesen.

Wesen o selbst als Urwesen u ( O 2) ist der Eine, selbe, ganze Grund und die Ursache des Einen stetändernden Werdens in sich: und, infolge der Ähnlichkeit, ist auch jedes endliche Wesen in o in dem Gebiete seiner eigenen Wesenheit nächster Grund und Ursache seines ganzen stetändernden Werdens alles Individuellen in ihm; aber nur als untergeordneter endlicher Mitgrund und Mitursache, in Abhängigkeit von Wesen o als dem Einen Grunde und der Einen Ursache der Wesenheit jedes endlichen Wesens.

Ein äußerst wichtiger Unterschied zum System Hegels besteht nun darin, dass das Werden, das Ändern nicht den gesamten Begriff ausmacht. Das Werden ist nur ein innerer Teil der Wesenheiten eines jeden Endlichen. Das Unendliche bestimmter Stufen, hier Wesen o, i und e haben überhaupt kein Werden. Auch alles Endliche ist aber orseinheitlich, urseinheitlich und ewig immer gleich, und ist nur in sich auch Werden.

Es ergibt sich daher bezüglich der Seinheit folgende Gliederung:

jo        eine, selbe, ganze Seinheit (Orseinheit)

ju        Urseinheit

ji        Ewigseinheit

je        Zeitlichseinheit (nur hier gibt es Werden und Veränderung).


Hierbei sind alle Gegensätze (z. B. zwischen ju und je oder ji und je) sowie alle Vereinigungen zu beachten.

Das von Hegel in Kreisen gedachte Werden des Begriffes als Inhaltslogik usw. ist also im System Krauses lediglich als kreisförmiges, zyklisches Werden und Vergehen und nur dort gegeben.

So ergibt sich etwa für die Menschheit folgende Entwicklungszykloide:

Die Entwicklungsgesetze

Soweit sich Lebewesen, Gesellschaften usw. verändern, werden und entwerden, folgen sie Entwicklungsgesetzen, die in (28) dargelegt sind. Sie können durch die folgende Zykloide dargestellt werden.

I. Hauptlebensalter (I. HLA): These

Das endliche Wesen, Gesellschaften von Wesen und deren innere Gesellschaftlichkeit sind zeitlich gesetzt und nach ihrer ganzen Selbstheit ungetrennt enthalten in der einen Selbstheit Gottes. Sie sind dabei in ungetrennter Wesensheiteinheit mit Gott und sind sich dessen nicht bewusst. Ihre Selbstheit ist nicht entgegengesetzt und noch nicht unterschieden in der unendlichen und unbedingten Selbstheit Gottes. Bildlich ist dies der Zustand im Mutterleib.

II. Hauptlebensalter (II. HLA): Antithese

Das endliche Wesen, Gesellschaften von Wesen und deren innere Gesellschaftlichkeit werden sich ihrer Selbstheit bewusst und zugleich setzen sie ihre Selbstheit jeder anderen Selbstheit unterscheidend entgegen. Sie setzen sich zuerst der unendlichen und unbedingten Selbstheit Gottes entgegen, ihr Eigenleben steht dann in der gegenheitlichen, entgegengesetzten und unterscheidenden Selbstheit. Dies führt zu einer Unterscheidung von allem und jedem nach außen und im Fortschritt des Lebens auch zur vernünftigen Unterscheidung in und von Gott. Bildlich ist dies der Zustand der Geburt und der Kindheit bis zur Pubertät.

III. Hauptlebensalter (III. HLA ): Synthese

In diesem Alter wird die unterscheidende Selbheit und Selbstheit als solche mit der Selbheit und Selbstheit Gottes als Urwesen und dann auch aller endlichen Wesen in Gott vereingesetzt. Die Menschen werden sich der wesenhaften Vereinigung ihres selbständigen Lebens mit dem selbständigen Leben Gottes als Urwesen und aller endlichen Wesen in Gott und durch Gott inne. Sie bemühen sich dann, soweit es in ihrem Vermögen liegt und unter Mitwirkung vor allem Gottes als Urwesen, diese Lebensvereinigung zu verwirklichen. Bildlich ist dies das vollreife Erwachsenenalter.

Jedes dieser HLA ist selbst wieder in drei Phasen gegliedert, die wiederum nach These, Antithese und Synthese bestimmt sind. Für uns von Wichtigkeit ist die Gliederung des II. HLA, in dessen verschiedenen Phasen sich die Menschen, Gesellschaften und inneren Funktionen und Systeme der Gesellschaftlichkeit sowie die Sozialsystemfaktoren derzeit befinden.

1. Phase (II. HLA, 1) - Autorität

Bevormundung oder autoritäre Einbindung des Elementes (z. B. Individuum oder Gesellschaft) in andere der gleichen oder einer anderen Art. Keine Selbständigkeit gegenüber anderen Faktoren oder gegenüber anderen Elementen der gleichen Art.

2. Phase (II. HLA, 2) - Emanzipation, Autonomisierung

Es kommt zur Autonomisierung des Faktors gegenüber allen anderen Faktoren und zu zunehmend freier Entfaltung der inneren Mannigfaltigkeit desselben. Innerhalb des gleichen Faktors erfolgt eine zunehmende Differenzierung, Verzweigung, Ausgestaltung, teilweise ohne Rücksicht auf die Nebenglieder der gleichen und anderer Arten. Die autonome Selbstentwicklung geht zumeist mit deutlicher Abgrenzung gegen Elemente der gleichen und anderer Art vor sich.

3. Phase (II. HLA, 3) - Integration

In der Phase der Integration wird versucht, den autonomen Individualismus unter zunehmender Berücksichtigung der Nebenglieder der gleichen und anderer Arten zu überwinden. Es kommt zur Bemühung um Abstimmung und Verbindung mit Neben- und übergeordneten Elementen. Die Berücksichtigung der gegenseitigen Abhängigkeiten nimmt zu.

4. Phase (III. HLA) - Allsynthese und Allharmonie

In der 4. Phase erfolgt eine Allsynthese und Allharmonie aller Elemente mit allen Elementen der gleichen Art und aller anderen Arten. Es bildet sich panharmonische Gesellschaftlichkeit gemäß der Struktur und Gliederung der absoluten Essentialität nach der Grundwissenschaft.

Mit Nachdruck möge der Leser die völlig andere kategoriale Positionierung der Zykloide bei Krause und Hegel beachten, wie auch die unterschiedliche inhaltliche Bestimmung der drei Phasen: These, Antithese und Synthese. Bei Krause ist der Zyklus nur eine innere Bestimmung des Zeitlichseins, nicht des gesamten Begriffes jo, ju, ju, und je.

Man könnte nun noch folgende Rettung des Heglschen Begriffs als Werden versuchen. Man könnte sagen, die Ableitungen, die wir von (O1) bis (O 5) durchführten, sind eben in ihrem "Werden" der gesamte Begriff im Hegelschen Sinne, nach dem unten angeführten Hegelschen Schema. Wie jeder aber sieht, wären die dialektischen Momente, die sich von (O 1) bis (O 5) ergeben, selbst wenn man sie als These, Antithese und Synthese interpretieren würde, inhaltlich kategorial anders bestimmt, weil ja Hegel die Kategorien Kants benützt, Krause aber ausgehend von (O 1) völlig neue Kategorien entwickelt, deduziert.


Struktur der Universalsprache, Or-Om-Sprache

Auch für diese Universalsprache gelten die obigen mathematischen Beziehungen zwischen Unendlichkeit und Stufen der Endlichkeit nach ( O 1 bis O 4). Sie impliziert eine völlig andere Theorie der Sprache als die unten erwähnte Hegels.

Die neuen Ausdrücke sind daher: Orheit, Antheit, Mälheit und Omheit. Die Or-Omheit ist die Summe aller obigen formalen und inhaltlichen Beziehungen. Die Ausdrücke sind Kunstwörter, wie sie auch in anderen Wissenschaften geschaffen werden. Wer sie befremdlich findet, könnte auch andere entwerfen; diese müssten nur inhaltlich den hier dargelegten Erkenntnissen entsprechen. Der Schwierigkeitsgrad für ein Verständnis erscheint nicht höher als in der derzeitigen Mengenlehre.

Ableitung der Mathematik aus der unbedingten und unendlichen Wesenheit Gottes

Unsere bisherigen Ableitungen der göttlichen Kategorien an und in Gott bilden, wie schon angedeutet, auch die neuen Kategorien der Mathematik. Die folgende Tabelle fasst nochmals kurz die Ableitungen der Grundbegriffe, Axiome zusammen, wobei sich die Zahlen nach dem Begriff auf die Seiten in (19) bzw. (69) beziehen.

WESENHEIT (Reinwesenheitslehre) 371
Gegenwesenheit (Artheit) 404
Einheit der Wesenheit (Einheitslehre) 365
Satzheit 370
Gegensatzheit, Bestimmtheit 407
Jaheit 408
Gegenjaheit, Neinheit, Negation 408
Zahlgegenheit, Vielheit, Allheit, Totalität, Vollständigkeit, 409, 417
Zweiheit, Dreiheit, 409, positive und negative Zahlen 410
SELBHEIT, ABSOLUTHEIT
(allgemeine Selbheitslehre) 317
Gegenselbheit, Verhaltheit, Verhältnis 406;
Richtheit, Richtung 371
Gegenrichtheit 410
Stufheit, Stufe 435
Verhältnis der Stufen 456
Multiplizieren, Dividieren 455
Gegenrichtheitliche Größen 456
Selbgröße, Verhaltgröße (relative Größe),
Größenverhaltheit, arithmetisches und
geometrisches Verhältnis 466
Addition und Subtraktion
GANZHEIT, UNENDLICHKEIT,
(Ganzheitslehre) 371
Organzheitslehre, oberste Teile der
Ganzheitslehre 458, 467
Gegenganzheit, Teilheit, Teil 407
Fassheit 371,
In-Sein-Aussen-Sein 412
Grenze, Grenzheit, Umfang 412
Großheit, Größe, Ende,
Endlichkeit 413
Grenzheitsstufe 454
Unendlichkeit am Endlichen 450
Endgroßheit, Endganzheit 455
unendliche Vielheit, unbestimmte Vielheit 456
Unendlichkeit der Zahlenreihe 456
Artgroßheit, Stetgroßheit 455
unendliche Artvielheit,
unendliche Stetvielheit 456
unendliche Artzahlheit,
unendliche Stetzahlheit 456
Variieren, Kombinieren, Permutieren 459
unendliche Teilbarkeit, unendliche
Vielmaligkeit jedes Endlichen in seinem
Unendlichen der nächsthöheren Stufe 456
Logologie, Logarithmik 466
Ableiten der Zeit, Werden, Bilden 469 f.


Behebung der Antinomien der Mengenlehre (Cantors)

"'Das Paradies, welches CANTOR uns in seiner Mengenlehre zu erschließen versuchte, ist erst hier richtig eröffnet. Sein Weg war nicht frei von Mängeln, die wir hier beheben. Ob und wann die Mathematiker dieses Paradies betreten werden, können sie nur selbst nach Prüfung entscheiden.

Der aufsteigende, induktive Weg CANTORs in seiner Grundlegung einer allgemeinen Mannigfaltigkeitslehre ist nicht gründlich, vollständig und klar, weshalb er auch nicht zur reinen Erkenntnis des Grundwesens, als des Einen, selben, ganzen, unendlichen und unbedingten Or-Wesens gelangt, sondern als höchstes Symbol für das Grundwesen die absolut unendliche Zahlen-FOLGE annimmt. Wie aber die obigen Deduktionen zeigen, ist die unendliche Zahlenfolge erst eine unter (O 4.1.5.4.1) deduzierte INNERE Gegebenheit in/unter dem einen selben ganzen ABSOLUTEN Wesen o. Die Absolutheit (Selbheit) und Unendlichkeit (Ganzheit) Wesens o liegen jedoch über der Zahlvielheit, der Zahlfolge. Wohl aber ist Wesen o in/unter sich alle Zahlfolgen, alle bestimmte Ganzheit, Teilheit, Teilganzheit, alle Grenzheitsstufen. Die Or-Zahlheit Wesens o ist erst in/unter sich Zahlgegenheit.

Auch die Bildung der Zahlklassen nach dem ersten und zweiten Erzeugungsprinzip CANTORs erweist sich als mehrfach mangelhaft.

Wenn man sich unter W die Zahl denkt, welche für den Inbegriff der Zahlen 1,2,3,4,....v steht (gemäß der Definition CANTORs), so ist nach sorgfältiger Beachtung der Ableitungen unter O deutlich, dass die Zahl W gliedbaulich folgend zu sehen ist:

  CA0

Das Eine, selbe, ganze Ω ist in/unter sich zuerst einmal die beiden Zahlen i und e nach (O 2) und erst in/unter diesen beiden sind in der nächsten Grenzheitsstufe die unendlich vielen Teile 1,2 usw. die zueinander in Nebengegensatz stehen. Als Ur-Ganzes, Ur-Ω ist Ω über den Teilen i und e und weiters 1,2 usw. Weiters sind alle Gegenheiten und Vereinheiten klar zu erkennen.

Was CANTOR im folgenden nicht beachtet, ist, dass Or-Ω im Verhältnis zu den Zahlen 1,2,3,.. der NÄCHSTHÖHEREN Grenzheitsstufe angehört, dass daher Ω und etwa die Zahl 436 verschiedener Grenzheitsstufe angehören. Or-Ω folgt daher nicht, wie CANTOR annimmt, als erste ganze Zahl auf v! (Dies wäre nur bei Neben-Gegenheit von Ω und v möglich.) Or-Ω ist auch nicht größer als jedes v, sie ist vielmehr das Or-Ganze, in/unter dem auch alle Endganzen (daher auch v) sind. Die Zahl Ω steht mit keinem ihrer In-Teile in einem Verhältnis der Großheit, oder endlichen Vielheit, kann daher auch nicht "größer" als eine der endlichen Zahlen genannt werden (O 4.1.5.5). Sie ist daher auch nicht die GRENZE, der die Zahlen 1,2,3,4,..v... zustreben. Jede ganze Zahl ist vielmehr eine ihrer In-Begrenzungen, während sie im Verhältnis zu ihren In-Grenzen unendlich und ganz ist. Man muss, um diesen Bau des Verhältnisses klarer darzustellen, eine verbesserte Schreibweise der Zahlen in etwa folgender Form einführen:

(CA1)

wobei das Zeichen "" das Verhältnis der Untergegenheit der nächstniederen Grenzheitsstufe der Zahlen 1,2,3,..usw. darstellt und das Zeichen "Ω)" ein Zugehörigkeitsindex der Zahl zur Or-Zahl Ω sein soll.

Wie schon gesagt, steht die Zahl Ω infolge ihrer nächsthöheren Grenzheitsstufe in keinem Verhältnis der Großheit zu irgendeinem ihrer In-Unterglieder.

Der nächste Schritt CANTORs

  (CA2)

ist unbestimmt und u. U. unzulässig. Da Ω in/unter sich die unendlich vielen Zahlen 1,2,3,4,...v,... ist, die der nächstniederen Grenzheitsstufe angehören, addiert die Operation Ω+1, usw. zwei Zahlen unterschiedlicher Grenzheitsstufe. Da aber Ω von CANTOR bereits als der Inbegriff aller in ihr enthaltenen unendlich vielen Zahlen definiert wurde, ist die Zahlenbildung (CA2) ohne genauere Bestimmung,- jedenfalls im hiesigen Fall CANTORs sicher - unzulässig. Gibt es nämlich neben Ω auf der selben Grenzheitsstufe mehrere oder sogar unendlich viele Ω1, Ω2, usw. in Nebengegenheit, (so wie in unserem Beispiel unendlich viele Linien auf einer Fläche, unendlich vielen Flächen in bestimmten Räumen usw.) in/unter dem Or-Ganzen der nächsthöheren Grenzheitsstufe, so sind die Summenbildungen (CA3.1), (CA3.2), (CA3.v),.. möglich:

  CA3.1

  CA3.2

  CA3.3

wobei Ω1, Ω2,.. andere Ω neben-gegen zu Ω in/unter dem nächsthöheren Ganzen bezeichnen, und der Index "(Ω1)", "(Ω2)" die Zugehörigkeit der entsprechenden Zahl zur Or-Zahl Ω1, usw. darstellt.

Es sind im weiteren auch folgende Zahlenbildungen möglich:

  CA4.1

  CA4.2

  CA4.3

und im weiteren ähnliche Summenbildungen für jedes Ω, Ω1, Ω2, Ωv,. mit jedem der unendlich vielen In-Glieder aller anderen Ω.

Werden die klaren Unterschiede der Grenzheitsstufen in/unter einer Art beachtet, so sind die Summenbildungen (CA3) bis (CA5) zulässig. Eine deutliche Spezifizierung durch Indizes und eine Angabe der Grenzheitsstufen sind aber erforderlich. Da die Zahlenbildung CANTORs diese Aspekte nicht berücksichtigt, beginnen hier die Antinomien der Mengenlehre, die aber in der zeitgenössischen formalen Logik nicht zufriedenstellend lösbar sind.

Weiters fehlt bei CANTOR die Summenbildung:

  CA5

Der Index (NhGrst) bedeutet, dass E im Verhältnis zu allen Ω der nächsthöheren Grenzheitsstufe angehört.

Weiters gilt: Das Potentiell-Unendliche, also die konstruktive Begründung der Zahlenreihe durch ein Werden, durch eine ins Unbegrenzte fortschreitende Folge usw. ist in/unter dem Aktual-Unendlichen enthalten. Wir sehen, dass bereits CANTOR darin irrte, dass er als Grundlage der Zahlentheorie die unendliche Zahlen-FOLGE annahm. Wie sollten wir sicherstellen können, dass wir bei Fortsetzung einer Zahlenfolge tatsächlich nicht an ein Ende kommen, wenn nicht dadurch, dass wir die Aktual-Unendlichkeit voraussetzen, zumindest stillschweigend postulieren. Denn die Unendlichkeit der Fortsetzbarkeit des Zählens endlicher Mengen ist ja erst eine INNERE, abgeleitete Unendlichkeit, welche die Unendlichkeit, hier Wesens o, voraussetzt.Die zeitgenössische formale Logik wird aber nicht nur im Klassenkalkül durch diesen Ansatz grundsätzlich betroffen und verändert, sondern z. B. auch im Begriff der "Negation" des Aussagenkalküls (vgl. BOCHENSKI, Aussagenkalkül § 3.2).Vom unendlichen, unbedingten Grundwesen kann nicht gesagt werden: A, non A, weil vom Or-Wesen nichts verneint wird. Es gibt nur In-Teilverneinung im Grundwesen. Ebenso kann man hinsichtlich der unendlichen und unbedingten Linie o, wenn man annimmt, dass AUSSER ihr nichts ist, nicht sagen A, non A, weil AN der Linie als Or-Linie keine Verneinung ist, sondern nur IN der Linie als i und e Neben-Gegenverneinung der beiden Glieder gegeneinander und Unter-Gegen-Verneinung gegen u usw. gegeben sind. Da es aber außer der Linie o noch andere Linien, andere Gegenstände gibt, ist non A als Außen-Negation hier zulässig. Die beiden Arten der Negation sind aber deutlich zu unterscheiden. Näheres vgl. in: "Die Vollendete Kunst" Kapitel 3.5. Das Denkgesetz. Ähnliches gilt natürlich auch für andere Begriffe der formalen Logik, wie Allklasse, Disjunktion, Relation, usw. Beachte: Die Bedeutung dieser grundlegenden Begriffe ist daher im System O eine andere, als etwa im "Grundriss der formalen Logik" von BOCHENSKI. Auch alle bisherigen Inhaltslogiken, vor allem die HEGELsche, erweisen sich in anderer Hinsicht als mangelhaft.' "Das Denkgesetz, die formale und inhaltliche Logik, die sich aus (O 1-5) ergibt, ist im Buch "Die Vollendete Kunst" Seite 158f. enthalten; die bisher gründlichste Logik ist die Synthetische Logik KRAUSE in Werk (33).


Was Gott in sich ist - Weitere Gliederung der Wesen in Gott

Gott ist in sich der Gliedbau der Wesenheiten (oben ausgeführt) und der Wesen, der Wesengliedbau, was durch die Begriffe "Weltall" und "Universum" ungenau bezeichnet wird.

o2    Gott als Orwesen ist in sich zwei in ihrer Art unendliche, nebeneinander stehende Grundwesen, die einander gegenähnlich sind, beide ewig, ungeworden, unvergänglich, nämlich:
i2    Geistwesen, "Geist-All" und
e2    Natur, Leib-Wesen, "Leib-All".
i2 und e2 enthalten in sich unendlich viele Arten unendlich vieler Einzelwesen (Individuen).
Gott als über den beiden seiend und wirkend, mit beiden vereint ist:
u2    Gott als Urwesen, verbunden mit i2 als ü2, mit e2 als ö2; i2 und e2 sind auch teilweise miteinander verbunden als ä2 und als solche verbunden mit u2 als a2.

Durch diese wissenschaftlichen Ableitungen in Gott werden die bisher undeutlichen Vorstellungen über das Verhältnis von Natur und Geistwesen ebenso behoben wie die ungenauen Intuitionen hinsichtlich der "inneren" wahren Gestalt der Natur usw.

Die Richtungen der Geist- und Naturmystik werden dadurch weiterbildbar, da ersichtlich ist, dass Gott über beiden als Orwesen ist und in beide als Urwesen wirkt, dass sie aber beide deutlich von Gott als o2 und u2 zu unterscheiden sind und dass sie in gegenähnlicher Beziehung nebeneinander sind, beide selbständig und miteinander auch vereint. Auch pantheistische Lehren erweisen sich hiermit als ungenau. Die wissenschaftliche Deduktion der beiden Grundwesen, Geist und Natur, in Gott erfolgt in (19, 2. Teil). Auch für das Verhältnis von Geist und Körper, Ethik, Soziologie, Feminismus, Psychologie, Sexualtheorie usw. ergeben sich hier völlig neue Parameter.

Im Folgenden eine Darstellung des Unterschieds aus (23):


Verhältnis von Gott, Geist und Natur

"Gott befasst in sich und in seiner Wesenheit Geist und Natur als die zwei sich wesentlich entgegengesetzten, obersten Grundwesen der Welt. Erforschen wir den Grundcharakter oder die Grundwesenheit von Geist und Natur, so finden wir, dass derselbe durch die zwei Grundwesenheiten bestimmt ist, nämlich durch die Selbheit oder Absolutheit und durch die Ganzheit oder Unendlichkeit, die wir oben an der göttlichen Einheit erkannt haben, wobei jedoch zu bemerken ist, dass hier nur von dem bestimmten Vorwalten der einen oder der anderen Grundwesenheit die Rede sein kann, da die höhere Einheit das In- und Miteinandersein derselben begründet. Die analytische Beobachtung von Geist und Natur entspricht dem metaphysisch aufgefundenen und ausgedrückten Grundcharakter.

Der Geist und die Geistwelt ist, wie wir schon in der wissenschaftlichen Hinleitung zur Grunderkenntnis sahen, vorwaltend durch die Selbheit Selbständigkeit, Spontaneität, Unabhängigkeit und Freiheit bestimmt, indem der Geist vorwaltend selbst und selbständig ist und handelt, sowie er auch jedes nach der eigenen Selbständigkeit desselben auffasst, sich selbst durch die Gegensetzung der Selbständigkeit, schärfer von allen anderen Wesen unterscheidet und dadurch zum Bewusstsein seiner selbst und zur Erkenntnis der ihm gegenständlichen Wesen gelangt. Infolge dieses Vermögens, vermag der Geist auch alles mehr zu sondern im Erkennen und Handeln, die Teile vom Ganzen und untereinander zu trennen, einen nach dem anderen und mit Wahl zu erforschen und auszubilden, und vermöge seiner Spontaneität sich nach der einen oder anderen Richtung hin zu bestimmen, seine geistigen Kräfte in Gesamtheit oder vereinzelt und ausschließend zu entwickeln. Durch diese Trennung, Isolierung, Abstraktion, Verselbständigung eines Geistes in Bezug auf sich und seine Verhältnisse mit der Gesellschaft und der Welt wird aber auch der Irrtum und das Übel in der geistigen Welt begründet. Die Geister in der Verselbständigung ihrer selbst und der Wesen und Eigenschaften, lösen die Bande, wodurch alles gehalten wird, verkennen die Gesetze, denen sie in freier Selbständigkeit gehorchen sollten. Der Irrtum und das Übel, welche daraus entspringen, können nur durch die Herstellung des richtigen Verhältnisses wieder behoben werden. Sowie aber nun die Selbheit an der höheren Einheit ist, so soll sich auch die Selbständigkeit der höheren Einheit frei unterordnen.

Dies geschieht; wenn in der Vernunft, dem Strahle des göttlichen Urlichtes, welches die Einheit der Welt in Gott erkennt, die geistige Welt mit der Naturwelt verbunden und das Prinzip der Selbständigkeit und Freiheit durch das Prinzip der Ganzheit ergänzt wird.

Dann wird auch das Naturprinzip in das Geistleben übertragen, das Leben des Einzelnen und der Gesamtheit erhält eine Organisation, worin, unter dem Vorwalten der Freiheit, alle im organischen Verbande der höheren Einheit gehorchen.

Die Natur, oder die im Raum sich gestaltende Welt steht unter dem Charakter der Ganzheit. Indem sie alles im Ganzen bildet, und alles ganz und zugleich bildet, zeigt sich in ihr das Vorwalten der allseitigen Gebundenheit, Wechselbestimmung und Stetigkeit. Die Natur vermag nicht wie der Geist zu trennen und trennend zu schaffen, oder einen Teil mit dem anderen zu bilden, sie gestaltet ein jedes in seiner Ganzheit, nach allen seinen Teilen auf einmal, zugleich und alles in der Natur, die Sonne wie der Wassertropfen wird durch eine Gesamthandlung gebildet und bestimmt. Diese Durchbestimmung eines Wesens oder Gegenstandes nach allen seinen Teilen und in Bezug auf alles gibt ihm den Ausdruck der Vollendung, und so vollendet die Natur jedes Einzelne als wenn alles auf dieses Einzelne angelegt und berechnet wäre. Zugleich tritt in der Natur durch diese Gebundenheit und Wechselbestimmung das gegenseitige Für-einander-Sein, das teleologische Verhältnis von Zweck und Mittel sichtbarer hervor. Aber auch die Natur ermangelt nicht aller Selbständigkeit, einer eigentümlichen Freiheit, die ihr nur eine oberflächliche Ansicht abspricht, welche aber der sinnige Naturforscher selbst in der Bildung eines Blattes noch beobachtet. Sowie aber der Geist sich durch die Natur und durch das Naturprinzip ergänzt, soll auch die Natur sich durch den Geist ergänzen, die Schöpfungen desselben in sich aufnehmen und dadurch über ihre Einseitigkeit erhoben werden. Dadurch erhält sie die volle Befreiung, die für sie möglich ist, denn die äußere Kunstwelt, welche der Geist in der Natur vermittels ihrer eigenen Gesetze und Kräfte ausführt, die sie aber nicht selbst auf diese Weise anwenden könnte, ist eine Befreiung der Natur, wodurch alle ihre Kräfte gelöst und durch einen neuen geistigen Hebel gehoben werden. So zeigt sich also die Natur durch das Prinzip der Ganzheit und organischen Gebundenheit bestimmt. Wenn in der Welt der Geister alles mehr getrennt, freier, unverbundener erscheint, so dass die oberflächliche Beobachtung gar keine höhere Einheit und keinen innigen Zusammenhang unter den Geistern anerkennt, so wird die Natur schon in der gewöhnlichen Auffassung als ein Ganzes und als eine räumliche Ganzheit oder Unendlichkeit begriffen. Sowie aber alles Entgegengesetzte zur Vereinigung bestimmt ist, so auch der Gegensatz von Geist und Natur. Diese Vereinigung der Geistwelt und der Leibwelt wird auf doppelte Weise vollzogen. Zunächst durch die gegenseitige Einwirkung, die wir soeben bemerklich gemacht haben, alsdann durch eine Vereinigung oder Vermählung der sich gegenseitig entsprechenden Einzelwesen oder Individuen in der Geistwelt und der Natur."


Die innere Gliederung des Vereinwesens a2

Im Vereinwesen von Urwesen, Geist und Natur sind unendlich viele Arten von Naturleibern mit unendlich vielen Geistern verbunden, die sich nach drei Arten gliedern:

e3    Pflanzenreich
i3    Tierreich
a3    Reich der Menschheit, darin auch die Menschheit dieser Erde

Das Verhältnis von Tierreich und Pflanzenreich ist einerseits durch einen Unterschied im Verhältnis von Selbstheit zu Ganzheit bestimmt. Wichtig ist aber im Weiteren, dass nach den Deduktionen der Grundwissenschaft in der organischen Natur Pflanzenreich, Tierreich und Menschheitsreich sich durch Stufungen der Begrenzung, durch Grenzheitsstufen von einander unterscheiden, die wir oben entwickelten. (Vgl. etwa auch 28, S. 502 und 505 f.)

Die Menschheit bildet ein vom Tierreich grundverschiedenes höheres Reich, sie ist die vollständige, harmonische Synthese aller in der Welt des Geistes und der Natur sich entwickelnden Gegensätze, Kräfte, Funktionen und Organe. Die Menschheit ist als diese Synthese mit Gott als Urwesen, u3, in selbstbewusster Persönlichkeit vereint.


Weitere Ausführung der Position der Menschheit

In der spanischen Annäherung an die Originalschriften Krauses gibt es teilweise bedingt durch die bisherige Krauserezeption Unklarheiten, Ungewissheiten und letztlich auch Ungenauigkeiten, die hier beseitigt werden sollen.

Nach den Unterlagen, die im folgenden zitiert werden, befindet sich die Menschheit im Bereiche a (umseitige Zeichnung), also im innersten Vereinwesen von Gott, Geist und Natur, und zwar dort als innerstes Vereinglied im Verein-Vereinwesen. Nun ist zu beachten, dass nach dem 6. Lehrsatz der 4. Teilwesenschauung (19, S. 435) der Wesengliedbau nach jedem seiner Teile selbst wiederum untergeordneter Teilwesengliedbau ist. Der Teilgliedbau a ist daher selbst wiederum so in sich gegliedert, wie es der (Or-Om)-Gliedbau selbst ist. Bezeichnet man den Teilgliedbau a als "ta", so ist die Menschheit das Glied a in ta, also ata. Bis zu dieser Deduktion in Gott sind die Ausführungen Ordens nicht fortgesetzt. Ist sie aus den Schriften Krauses zu belegen?

"Denn das muss vor Allem geschaut und nie aus dem Auge verloren werden: dass der Menschheit-Wesen-Mälleben-Bund ein Vereinwerk Wesens als u-inmit sich selbst und Wesens als Menschheit (ata) seiend ist; d.h. Ein Selbinwerk Wesens. Und dass dabei Wesen als Urwesen in sich abwärts, und Wesen-als-Menschheit in sich aufwärts, - urwesenwärts - , wirket" (46, 2. Band, 1891, S. 213).

"Aus der orwesenlichen Forderung, dass Wesen in sich alle In-werdinge (Funktionen) in Einer Or-Om-Werding zeitstetig und zeitewig darseye, folgt, dass Wesen in sich alle mögliche Abstufungen und Abarten von Endlebwesen in sich, als dem Einen Orom-Lebwesen seye. (Orgrund der Darlebheit, Lebwirkigkeit (des Vorhandenseyns) aller Arten von vorgliedlebigen und gliedleblichen End-Leibwesen, aller Pflanzen und Tiere.

In der Tierwelt tritt ein Faktor erster Gliedbauordnung mehr ein; wenn nämlich Pflanzenwelt (Pflanzing) gleich f (ù verein [è und ì]) so ist Thierwelt (Thiering) gleich f [ù verein (ù verein [è und ì])]" (28, S. 502).

Daraus ist ersichtlich, dass die Menschheit nach Krause nur ata sein kann. Diese wichtigen Anmerkungen aus (28) finden sich in der neueren Ausgabe der Lebenlehre aus dem Jahre 1904 (65) nicht.


Gliederung des Menschen

Im Menschen ist außer dem geistigen (i4) und leiblichen Prinzip (e4) ein göttlich urwesentliches Prinzip (u4), die Vernunft, wodurch er, über seine geistige und leibliche Individualität erhaben, zur wahren Persönlichkeit gelangt. Nur durch dieses urwesentliche Prinzip, welches den Menschen ewig mit Gott verbindet und stets im Lichte der Erkenntnis zu Gott leitet, kommt der Mensch auch wahrhaft im Urbewusstsein zu sich selbst. Er erkennt hierbei, dass der Gegensatz von Geist und Leib, wie er sich in seinem Wesen offenbart, in der höheren Einheit des Ichs als Ur-Ich (u4) fundiert ist. Dieser Gegensatz zwischen Geist und Leib soll durch das Urprinzip der Vernunft, welches der Grund des Ichbewusstseins ist, vermittelt, bestimmt und im richtigen Verhältnis ausgebildet werden. So ist also der Mensch eine dreigliedrige Persönlichkeit, wobei Geist (i4) und Leib (e4) durch ein göttliches Urprinzip zur Persönlichkeit vereinigt und dadurch vernünftig geleitet werden. Jeder dieser Bereiche zeigt selbst eine Dreigliederung, woraus sich die volle Struktur des Menschen ergibt.


Die Seinsarten

Hinsichtlich des Verhältnisses von Ewigkeit und Zeit bringt die Grundwissenschaft bisher nicht berücksichtigte Erkenntnisse und Einsichten. Gott als o1, Vernunft i2 und Natur e2 ändern sich nicht in ihrer Einheit, Selbstheit, Ganzheit, Unendlichkeit und Unbedingtheit. Es ändern sich nur in Gott, in Geist und Natur innere unendlich-bestimmte individuelle Wesen und auch diese nur hinsichtlich ihrer inneren, sich ständig einander ablösenden, einander ausschließenden Bestimmtheiten (z. B. Planeten, Pflanzen, Tiere, Menschen usw.).

Auch jedes vollendet endliche Wesen ändert nicht seine ganze Wesenheit, denn diese ist ewig die gleiche, sondern es ändert sich nur in seinem Inneren, insofern es das Ganze seiner vollendet-endlichen, individuellen Zustände ist. Das Werden selbst aber wird nicht, und das Ändern selbst ändert sich nicht. Denn das Werden und Ändern sind selbst nichtzeitliche Grundwesenheiten. Kein Wesen und keine Wesenheit werden als solche, sondern lediglich deren innere, vollendet endliche Zustände werden und entwerden, entstehen und vergehen. Somit gilt hinsichtlich alles unendlich Endlichen, Bestimmten in Gott folgende Gliederung der Seinheit:

jo    eine, selbe, ganze Seinheit (Orseinheit)
ju    Urseinheit
ji    Ewigseinheit
je    Zeitlichseinheit (nur hier gibt es Werden und Veränderung)

Hierbei sind alle Gegensätze (z. B. zwischen ju und je oder ji und je) sowie alle Vereinigungen zu beachten.


Die Erkenntnisarten

Auch in der deduktiven Gliederung und Vollständigkeit der Erkenntnisarten bringt die Grundwissenschaft Neuerungen.

wo    Einer, selber, ganzer Begriff des Gegenstandes, Orbegriff; orheitliche Erkenntnisart; in Figur 1 ist es A, weiß.
wu    Urbegriff, urbegriffliche Erkenntnisart, urwesentliche Erkenntnis; in Figur 1 ist es B, purpurn.
wi    Ewigbegriff, ewigwesentliche Erkenntnisart, Ideen, Ideale, Urbilder, ideale Erkenntnisart a priori; in Figur 1 ist es C(1), gelb, deduziert in Gott.
we    Zeitlich-realer Begriff, sinnliche Erkenntnisart; in Figur 1 ist es E, blau, in Verbindung mit den Begriffen C(2), die mit Begriffen C(1) und den beiden Bereichen der Phantasie D(1) und D(2) hinsichtlich der Natur G und der Gesellschaft G(1) gebildet werden.
    Vereinerkenntnis von wi und we als Verbindung und Vergleich der reinen Ideen mit der zeitlich realen Erkenntnis und umgekehrt.

Im Weiteren sind alle Gegensätze (z. B. wu gegen wi und we gegen wi) sowie alle Vereinigungen (z. B. wu und wi als wü, we und wu als wö usw.) zu beachten.

Wird der Erkenntnisgang bis zur Schau Gottes vollzogen, so ergibt sich, dass alles was ist, an oder in Gott, nichts also außerhalb Gottes ist. Gefragt ist nun die Gliederung, Stufung Gottes an und in sich. (Werk 19, 2. Teil; 69, 2.Teil)


Gliederung Gottes an und in sich, Leben Gottes und aller Wesen in ihm

    In diesem Abschnitt werden in komprimierter Form bestimmte Lehren der Grundwissenschaft aus (17) ausgeführt. Sie sollen helfen, insbesondere Unklarheiten und Mangelhaftigkeiten in allen auch heute bestehenden Visionen einen Neune Zeit, utopischen Entwürfen und Prophezeiungen in die begriffliche Klarheit einer allharmonisch mit īGott vereint lebenden Menschheit zu führen.

    Wenn etwas in der Entwicklung der Menschheit dieser Erde bisher nicht Erkanntes, noch nie Gelebtes erscheint, dann kann man gleichsam mit der begrenzten Brille der Vision oder Schau oder des bisherigen wissenschaftlichen Denkens dieses Ur-Neue gleichsam nur getrübt erkennen. Wir müssen daher lernen, zuerst aus unseren bisherigen Begrenzungen aufzusteigen in das universelle Licht des Ur-Neue: dann werden in seinen unendlichen und unbedingten Grundlagen erkennen, inwieweit unsere bisherigen durch Geschichte, Kultur und Gesellschaft geprägten Brillen uns daran hindern und begrenzen um die Vollendung zu erreichen. Wir können dann alles Bisherige heimführen in das universelle Gott-Vereinleben der Menschheit im All.

    Fassen wir das, was Wesen an sich und in sich ist zusammen, so erkennen wir: Wesen ist Wesengliedbau; das ist als Wesen und als Wesenheit, an sich und in sich, Ein Gliedbau (Ein Organismus). Und zwar erstlich, dem Gehalte nach, Ein, selber, ganzer Gliedbau; zweitens, der Form nach, der Eine volle oder vollständige Gliedbau, - der Vollgliedbau; drittens, dem Gehalte und der Form nach vereingedacht, der wesenliche vollständige, der vollwesenliche Gliedbau. Also Vollständigkeit, und Vollwesenheit (absolute Vollkommenheit) sind selbst Grundwesenheiten Wesens.

    In den Gedanken der vollwesenlichen Gliedbauheit erhellen auch die Grundbestimmnisse der Seynheit (oder Daseynheit) nach der Gegenselbheit und Gegenrichtheit. d. i. nach der Bezugheit, als die Bestimmnisse der bezuglichen Seynheit oder der Bezugseynheit (modalitas relative). Dasjenige Wesentliche, welches in Ansehung eines anderen Wesenlichen das Einmalige und Einzige Wesenliche ist, ist nothwendig da, hat Nothwendigkeit; dasjenige, was gegen ein anderes Wesenliche nur Eines ist von mehren Wesenlichen, die sich zu diesem Anderen auf gleiche Weise verhalten, oder mit andern Worten: Was gegen ein Anderes nur Einer von mehreren Fällen ist, das ist in Ansehung dieses Anderen möglich oder hat Möglichkeit; Dasjenige endlich, was und sofern es mit einem Anderen zugleich da ist, sey es nun dabei nothwendig oder bloss möglich, ist überhaupt da, wofür man gewöhnlich, nicht angemessen, sagt, es ist wirklich, hat Wirklichkeit. Denn wirklich sollte das Daseyende nur genannt werden, sofern es wirket oder erwirket wird, also sofern es zeitlich ursachlich ist. Hier aber wird die Bezugseynheit als Nothwendigkeit, Möglichkeit, und Reindaseynheit (Wirklichkeit) erkannt vor und über und ohne die Gegenheit des Ewigwesenlichen und des Zeitlichwesenlichen.

    Da Wesens Weseninneseyn die ganze Wesenheit Wesens befasst, so ist Wesen auch sein selbst inne als der Gliedbau der Wesen und der Wesenheit seyenden Wesens: also auch sein selbst als Grundes, und als in sich die Bedingtheit und die Bezugseynheit seyenden Wesens; und zwar nach dem ganzen Gliedbau des Weseninnesyns, mithin auch in Erkennen und Empfinden.


    Dritte Unterabteilung

    Untergeordnete Grundwesenheiten (Kategorien), die von Wesen und Wesenheit gelten sofern Wesen an, in und unter sich der Gliedbau der Wesen und der Wesenheiten ist.

    Wesenheitgleichheit ist Wesenheit Wesens, oder: Wesen ist sich selbst gleich und zwar sowohl als Einer selben und ganzen Wesenheit, als auch sofern Wesen in sich Gegenheitliches und Vereinheitliches ist. - Denn die selbe Eine Wesenheit seyn, heisst wesenheitgleich seyn. Nun ist Wesen an sich der Gliedbau der Wesenheit und in sich der Gliedbau der Wesen, nach allen den in den beiden ersten Unterabtheilungen erklärten Wesenheiten. Da nun die selbe Wesenheiteinheit, das ist die Wesenheitgleichheit Wesens, selbst auch Eine, eine selbe, und ganze ist, so umfasst sie auch den Gliedbau der Wesen und der Wesenheit. Die Wesenheitgleichheit wird auch Identität genannt, wohl auch Homogenität. Die Gleichheit sagt allerdings ein Verhältniss aus, aber erstwesenlich Desselben zu Demselben; sofern aber das Gegenheitliche gleich ist, findet dabei zugleich wechselseitige Bejahung und Verneinung statt, und die Anderheit wird durch die Gleichheit nicht aufgehoben: sondern vielmehr die Gleichwesenheit liegt als Bedingniss der Ungleichwesenheit, das ist, der Gegenwesenheit oder Anderwesenheit, zum Grunde.

    In der Wesenheitgleichheit Wesens ergiebt sich die allgemeine Folgerung: dass jede göttliche Grundwesenheit auf alles Wesenliche, auf alle Wesen und auch auf sich selbst, angewendet ist: oder mit anderen Worten: Dass jede Kategorie von jeder, auch wieder von sich selbst, gilt (19 und 69, S. 430 f.). - Und alle Kategorien mit allen vereint, sind alle Vereinkategorien.

    Wesen als Wesengliedbau und als jedes endliche Wesen, jede endliche Wesenheit insich Seiendes, ist sich selbst ähnlich, oder: Wesenheitähnlichkeit, Gottähnlichkeit ist eine Wesenheit Wesens. Denn Wesen ist in sich Gegenwesen und Vereinwesen und zwar Beides, Sich selbst wesenheitgleich, jedoch so, dass damit die Gegenheit und Vereinheit besteht. Folglich ist auch alles Gegenwesenliche und Vereinwesenliche, als solches, zu Wesen selbst wesenheitgleich. Und da die Wesenheitgleichheit Wesens unbedingt und unendlich ist, so gilt dieses auch von jedem endlichen Wesen und von jeder endlichen Wesenheit, welche Wesen, als Gegenwesen und als Vereinwesen, weiter in sich ist und enthält. Also alles Endliche ist an und in seiner Eigenwesenheit, nach allen Kategorien, mit Wesen selbst wesenheitgleich. Was aber gegen ein Anderes an und in seiner Eigenwesenheit und Bestimmtheit wesenheitgleich ist, heisst ähnlich.

    Also gelten alle Kategorien von jedem untergeordneten Wesen und von jeder untergeordneten Wesenheit auf untergeordnete, endliche Weise, gemäss der Eigenwesenheit des Untergeordneten. Daher die eigenwesenlichen Grundwesenheiten Wesens-als-Urwesens, der Vernunft, der Natur, der Vernunft und der Natur im Vereine und der Menschheit, und Wesens-als-Urwesens im Vereine mit Vernunft, Natur und deren Vereine, und mit Menschheit, ebensoviele Theilgliedbaue (Theilorganismen) der Grundwesenheiten oder Kategorien sind, - welche besondere Kategorien die Wissenschaft weiter in den besonderen Wissenschaften organisch zu entfalten hat.

    Demnach ist alles untergeordnete Wesenliche in Wesen als in seinem Grunde an und in seiner Alleineigenwesenheit und der Grenzheit derselben, der Wesenheit Wesens gemäss, das ist damit ähnlich, bestimmt. Das ist: Wesen ist auch der Eine selbe und ganze bestimmende Grund der Allein-Eigenwesenheit alles Dessen, was Wesen in und unter sich ist; das heisst: Wesen ist die Eine, selbe, ganze Ursache alles Dessen, was Wesen in und unter sich ist; oder: alles Endwesenliche ist verursacht in und von oder durch Gott. - Und zwar ist die innere Wesenheitähnlichkeit Wesens der Grund davon, dass Wesen selbst in sich seiner Wesenheit gemäss sein Wesengliedbau ist, oder: dass Gott nach innen Ursache ist, Ursachheit oder Ursachlichkeit (causalitas) hat. Diese Kategorie der Ursachlichkeit nun ist selbst nach allen Kategorien durchzubestimmen.

    Und da alles Endwesenliche wesenähnlich ist, so ist auch jedes endliche Wesen nach innen auf endliche Weise Ursache; aber die endliche bedingte Ursachheit aller endlichen Wesen, ist selbst verursacht in und unter und durch die Eine unbedingte und unendliche Ursachheit Gottes.

    Ferner ist alles Endwesenliche in Wesen mit allem und jedem seinem Gegenwesenlichen zugleich so in Wesen, dass alles Gegenwesenlichen Wesenheit als solche sich gegenwesenähnlich und als gegenwesenähnlich auch übereinwesenlich (in Parallelismus und in prästabilisirter Harmonie) ist; und dass es sich auch als Alleineigenes Gegenwesenliche wechselseits bedinget.

    Der Wesengliedbau und der Wesenheitgliedbau ist nach jedem seiner nächsten Theile selbst ein untergeordneter Theilwesengliedbau und Theilwesenheitgliedbau; folglich ist hierdurch die abwärts gehende Verhältnissgleichheit gegeben: wie sich Wesen zu Wesengliedbau verhält, so verhält sich jedes Glied des Wesengliedbaues der ersten Gliederung zu seinem innern Gliedbau: so jedoch, dass dabei die Wesenheiteinheit und Einmaligkeit Wesens als Wesengliedbau Seienden, besteht.

    Dass der hier erklärte Gliedbau der Wesenheiten (die Kategorientafel) vollwesenlich, vollständig und gliedbauig ist, zeiget ihr Inhalt an. Denn Wesen wird geschaut als Eines, als ein selbes und ganzes; an Ihm die Wesenheit als Eine, als ein selbe und eine ganze; ebenso die Wesenheiteinheit; daran die inneren gegenheitlichen Wesenheiten der Selbheit und der Ganzheit und deren Vereinwesenheit, und über ihnen die Urwesenheiteinheit; zu der Selbheit und Ganzheit aber ist kein Drittes, sowie zu Ja und Nein kein Drittes ist. Die Gegenheit der Wesenheit und der Satzheit, des Was und des Wie, und deren Vereinheit wird ebenso selbwesenlich als vollständig erkannt; und selbst die Grundwesenheiten der Vollwesenheit, der Vollständigkeit und der Gliedbauheit werden in dem Gliedbau der Grundwesenheiten mitgefunden, und an ihrem Inhalte, das ist an Wesen und an Wesenheit selbwesenlich miterkannt.

    aa) Die Wesenheit, Grund zu seyn (Grundheit)

    Gott ist Grund von allem Gegenheitlichen, Endlichen, welches Gott an sich, und in und unter sich ist, als von einem Begründeten; indem Gott das Eine, selbe, ganze Wesen ist, woran und worin alles endliche, bestimmte Wesenliche ist. Und indem Gott, als Grund, an und in sich wesenheitgleich ist, so dass alles endliche bestimmte Wesenliche nach seiner Einen, ganzen, selben Wesenheit als endliches bestimmtes Wesenliche mit Gott selbst auf endliche, bestimmte Weise wesenheitgleich, das ist, Gott ähnlich, ist: Ist Gott, als Grund, auch Ursache, und Gottes Wesenheit ist auch Ursachlichkeit (causalitas). Oder, mit andern Worten: Gott ist Ursache aller endlichen, bestimmten Wesenheit, und von allen endlichen Wesen, indem Gott der Grund ist, dass alles endliche, bestimmte Wesenliche Gottes unendlicher Wesenheit in Endlichkeit gemäss, das heisst, gottähnlich, ist.

    Da Gott erkannt wird als Grund und Ursache der Einen selben und ganzen Wesenheit alles gegenheitlichen, und endlichen Wesenlichen aller Wesenheiten und Wesen, so wird Gott auch erkannt als Grund und Ursache der Seynheit oder Daseynheit alles gegenheitlichen und endlichen Wesenlichen (als Existenzialgrund der Welt und aller Dinge); indem die Seynheit die Vereinwesenheit der Wesenheit selbst und der Satzheit derselben ist. Auch wird Gott erkannt zuerst als der Eine, selbe, ganze Grund, und als die Eine, selbe, ganze Ursache; dann in der weiteren Entfaltung der Wissenschaft auch als urwesenlicher Grund und Ursache, dann als ewiger und zeitlicher Grund und Ursache.

    Ferner zuerst als Grund und Ursache der Einen selben und ganzen Daseynheit alles gegenheitlichen, bestimmten Wesenlichen; und dann auch der urwesenlichen, ewigwesenlichen, zeitlichwesenlichen, und der aus diesen vereinten Daseynheit. - Und da jedes endliche Wesen in Gott gottähnlich ist, so ist es auch im ganzen Gebiete seiner endlichen Wesenheit nach innen endlicher Grund und endliche Ursache.

    bb) Die Wesenheit alles endlichen Wesenlichen in Gott: gegeneinander ein Inneres und ein Aeusseres, und ein vereintes Inneres und Aeusseres, zu seyn.

    cc) Die Wesenheit Gottes, Selbst alles endlich Wesenliche in Ihm mit begrenzter Eigenwesenheit (Alleineigenwesenheit) zu begründen und zu verursachen; das heisst, alles endliche Wesenliche zu bestimmen, - dessen Bestimmgrund und bestimmende Ursache zu seyn. Diese Wesenheit Gottes, welche Gotte in der grundlichen und ursachlichen Beziehung zu dem endlichen Wesenlichen in Ihm zukommt, kann daher Bestimmtheit heissen: so dass Gott das Eine, selbe, ganze, alles endliche Wesenliche bestimmende Wesen ist, und das endliche Wesenliche das Bestimmte, der Gehalt aber der Bestimmtheit die Bestimmniss (oder Bestimmung).

    dd) Die Wesenheit der Bedingtheit, welche nicht mit dem Verhältnisse des Grundes und des Begründeten zu verwechseln ist. Das ist, diejenige Wesenheit des gegenheitlichen (entgegengesetzten und unterschiedenen) Wesenlichen an und in Gott: dass es nach seiner Eigenwesenheit mit der Eigenwesenheit seines Gegenheitlichen zugleich, und zwar als sich der Wesenheit nach wechselseitig bestimmend zugleich, ist. Die Bedingtheit, als eine Verhaltwesenheit, steht in Form des Urtheils, und der Ausdruck dieses Verhältnisses ist:

    wenn- so; oder: mit dem Einen, dadurch bestimmt, das Andere. Bedingheit ist also eine innere Grundwesenheit Wesens; sie ist aber nicht an Gott. als an dem Einen, selben und ganzen Wesen, sondern an Gott als Urwesen und an allem endlichen Wesenlichen, das heisst in Gott, insoweit Gott in sich alles bestimmte, unterscheidbare Wesenliche ist.

    1. Der Grund der Bedingheit, der Bedinggrund; das ist: Wesen selbst nach seiner Gleichwesenheit, sofern solche auch in dem Zugleichseyn und in der Vereinwesenheit alles entgegengesetzten Wesenlichen ist. Gott selbst ist unbedingt, denn Gott ist das Eine, ganze Selbwesen, oder: Gott ist ganz an Ihm selbst, also nicht mit irgend etwas zugleich, noch im Verhältnisse zu Etwas, bestimmt. Daher ist die Unbedingtheit (absolut, oder das Absolute, zu seyn) an der Selbheit (Selbständigkeit); ja sie ist die ganze, unendliche Selbstheit in Beziehung zu der Gegenselbheit des Endlichen gedacht. Wenn also gesagt wird: Gott ist das Eine, selbe, ganze Wesen, so ist darin schon mitenthalten auch die Aussage: Gott ist das Eine unbedingte (absolute) und unendliche Wesen. - Gott als das unbedingte Wesen ist der unbedingte Grund der Bedingtheit selbst und jeder besonderen Bedingtheit. Es ist in Gottes Vollwesenheit auch mitenthalten die Vollwesenheit der Bedingtheit; dass alles endliche, unterschiedene Wesenliche an und in Gott sich allwechselseitig bedinge, und in der ganzen Vollwesenheit Gottes zusammenstimme.

    2. Die Hinsicht und das Gebiet der Bedingheit, das heisst die Bestimmtheit, welches unterschiedene Wesenliche, nach welcher unterschiedenen Wesenheit, und inwieweit es in Bedingtheit sey; indem sowohl die ganze Wesenheit, als auch jede Theilwesenheit eines Wesens, sofern es endlich ist, im Verhältnisse der Bedingtheit steht.

    3. Das bedingende Wesen (oder das Anbedingende) das ist, jedes Wesen sofern es im Verhältnisse der Bedingtheit das Bestimmende ist.

    4. Das bedingte Wesen (oder das Bedingte, das Anbedingte); jedes endliche Wesen, sofern es im Verhältnisse der Bedingheit das Bestimmte ist.

    5. Das Bedingniss gemeinhin die Bedingung (conditio) genannt. Das ist, dasjenige Wesenliche des bedingenden Wesens, welches mit dem bedingten Wesen nach irgend einer Hinsicht, als es bestimmend, in Beziehung ist.

    6. Das Bedingtniss als dasjenige Wesenliche des bedingten Wesens, welches und sofern es durch das Bedingniss bestimmt ist.

    Die Bedingtheit ergiebt sich ferner durch die bishieher entfalteten Wahrheiten als nach folgenden Hinsichten verschiedenartig.

    1. 1. Nach der Art der Setzung der Wesen, woran die Bedingtheit ist: an selbständigen, an sich entgegengesetzten Wesen, und an Vereinwesen, und an Wesen, sofern sie dieses Beides sind; z.B. Vernunft zu Natur, Mensch zu Menschheit, Natur zu Menschheit.

    2.2. Nach der Gegenheit des Innen und Aussen; innere, äussere, und aus innerer und äusserer vereinte Bedingtheit.

    3.3. Nach der Stufe der Glieder der Bedingtheit unterordnige, nebenordnige, und unternebenordnige Bedingheit; z. B. Mensch zu Menschheit, Einzelmensch zu Einzelmenschen, und zu ihm als Gliede der Menschheit.

    4.4. Nach der Satzheit der Bedingheit selbst, wenn die Glieder der Bedingheit a und b heissen, in den vier Fällen:

mit a ist b gesetzt,
mit a ist b nicht gesetzt,
mit Nichtgesetztheit des a ist b gesetzt,
mit Nichtgesetztheit des a ist b nicht gesetzt.
Oder: wenn a ist so ist b. u.s.f.

    5.5. Nach der Stufung der Bedingheit selbst

    Denn da die Bedingtheit selbst ein Endliches ist, so ist auch sie selbst bedingt; und ebenfalls die bedingte Bedingheit kann wieder bedingt seyn; u.s.f. Daher giebt sich die Stufenreihe der Bedingheit: erste Ordnung: Bedingheit; zweite Ordnung: Bedingheit der Bedingheit: dritte Ordnung: Bedingheit der bedingten Bedingheit; und so ferner, bis zu der letzten Bedingheit gelangt wird, welche der Vollwesenheit Gottes zufolge jedesmal daseyn muss.

    g. Ferner wird erkannt, dass Gott für Sich selbst Gott ist (Deus sibi Deus); oder: dass Gott für Sich selbst das Eine, selbe, ganze unbedingte und unendliche Wesen ist; oder: dass Gott sein selbst inne ist. Diess ergiebt sich darin, dass Gottes Selbstbezugheit (Selbstrichtheit) selb und ganz, unbedingt und unendlich, ist, also von der ganzen göttlichen Wesenheit gilt. Dadurch wird ersichtlich, dass und warum auch wir, als gottähnliche endliche Vernunftwesen, auf endliche Weise unser selbst inne sind. Da nun Gottes Eine Wesenheit Selbheit, Ganzheit, und deren Vereinwesenheit ist, so ist auch Gottes Eines Sein-Selbst Inneseyn (Selbstinneseyn) hiernach dreifach.

    l. Gott als mit Sich selbst Eins, das ist, für Sich selbst, als unbedingt selbes (selbständiges) Wesen, ist sich Sein selbst bewusst. Gott weiss (erkennt, schaut) Sich selbst unbedingt und unendlich, und daran und darin erkennt Gott auch Alles, was ist, unbedingt und ganz. Gottes unbedingtes Selbstwissen ist zugleich auch Allwissenheit. Und da das Selbstwissen selbst eine Wesenheit Gottes ist, so ist sich Gott auch seines Selbstbewusstseyns bewusst.

    2. Gott als mit Sich selbst Eins, das ist für Sich selbst als ganzes Wesen, oder, nach seiner Ganzheit, ist das unendliche, unbedingte Selbstgefühl (das unendliche Gemüth oder Herz); welches auch Alles, was Gott in sich ist, umfasst, so dass auch alles Endliche Gott im Gemüthe gegenwärtig ist. Gottes Selbstgefühl ist vollwesenlich, ist Seligkeit.

    3. Beide, Gottes Selbstbewusstseyn und Gottes Selbstgefühl sind als Entgegengesetzte, auch, vermöge ihrer Uebereinstimmung, nach Ihrer ganzen Wesenheit vereint, als das selige Selbstbewusstseyn und die selbstbewusste Seligkeit.

    Und da Gott der Eine, selbe, ganze Grund und die Eine selbe, ganze Ursache auch alles dessen ist, was Gott in sich ist, so ist Gott auch sich dieser Wesenheit selbst inne, das ist: Gott weiss und fühlt sich als Grund und Ursache aller endlichen Wesen und Wesenheiten.


    Anmerkungen

    1. Wird Vernünftigkeit in Selbstinneseyn n und Selbstinnigkeit gesetzt, und zugleich darin, sich als Grundes inne zu seyn, so kann Gott die unbedingte unendliche Vernunft, die absolute Vernunft oder: die Vernunft (ohne Beisatz einer weiteren Bestimmniss) oder auch das unendliche unbedingte Vernunftwesen genannt werden. Und wenn Persönlichkeit überhaupt: das Sich selbst für Sich selbst Seyn, bezeichnet, so ist unendliche unbedingte Persönlichkeit eine Grundwesenheit Gottes. - Gott dürfte dann die unendliche, unbedingte Person oder auch die unendliche unbedingte Vernunftperson genannt werden.

    Es haften dem Worte: Person unedle Nebenbedeutungen an, wesshalb es angemessener ist, sich in Beziehung zu Gott der Wörter: Person, und Persönlichkeit ganz zu enthalten. Dagegen die Wörter: Selbwesen, Selbstwesen, sein Selbst und andere von selb abgeleitete reindeutsche Wörter sind edel und rein und würdig, zu Bezeichnung göttlicher Grundwesenheiten gebraucht zu werden.

    2. Das Selbstinneseyn Gottes ist hier als reine. unbedingte Wesenheit erkannt: nicht von dem Menschlichen Selbstinneseyn, und von der menschlichen Selbstinnigkeit abgezogen (abstrahirt) und gleichsam in Gott hinaufgetragen. Der Mensch ist Gottes endliches Ebenbild, nicht Gott des Menschen Ebenbild.


    Das Leben

    Es ist hier zunächst das Leben als eine Wesenheit (oder als eine Eigenschaft) Gottes zu erkennen: worin dann auch das Recht als eine Wesenheit des Lebens Gottes erkannt werde. Folgende sind die Hauptlehren der allgemeinen Wissenschaft vom Leben (der Biotik).

    In der Schrift: "Urbild der Menschheit" und in dem "System der Sittenlehre 1810" (besonders im 4 ten Buche S. 436 ff.) ist hievon ausführlicher gehandelt.

    aa) Die innere Gegenheit (Entgegengesetzheit) der göttlichen Grundwesenheiten hat an sich die Form der Bestimmtheit, der Grenzheit, der Endlichkeit*), der Unterschiedenheit. Da nun Gott an sich selbst der Wesenheit nach gleich ist, so ist auch jedes Wesen und jede Wesenheit in Gott selbst wiederum nach allen göttlichen Wesenheiten bestimmt, folglich sind auch alle Wesen und Wesenheiten in Gott, sofern sie bestimmt, endlich und unterschieden sind, wiederum nach der Bestimmtheit, sowie nach der Unendlichkeit und zugleich nach der Endlichkeit bestimmt: mithin gilt diess auch von Natur, Vernunft und Menschheit, und von Gott als Urwesen über ihnen, nicht aber und in keiner Hinsicht von Gott als dem Einen, selben, ganzen Wesen (Orwesen) , und es kann in keiner Hinsicht gesagt werden, dass Gott an sich verneint, begrenzt oder endlich seye. Und auch Gott - als - Urwesen ist unendlich, und es kann auch von ihm, als solchem, Endlichkeit nur ausgesagt werden, als in, nicht als an, der Unendlichkeit Gottes-als-Urwesens enthalten.

    Zum Begriff der Endlichkeit

    Endlichkeit im ganz allgemeinen Sinne genommen, wonach alles Wesenliche endlich heisst, sofern es dieses Allein-Eigenwesenliche ist, mithin sein Gegenwesenliches nicht ist, kurz: sofern es nur Dieses ist: - nicht aber in dem Sinne des gemeinen Lebens, wonach man nur Dasjenige endlich nennt, was in allen Hinsichten, nach allen seinen Wesenheiten auf vollendete Weise endlich ist: noch viel weniger aber in dem Sinne, wonach man unter dem Endlichen nur ein in Raum und Zeit vollendet Endliches versteht. Wenn daher gesagt wird, dass Gott als Urwesen in sich endlich seye, so wird "endlich" in dem hier soeben erklärten Sinne genommen, und keineswegs behauptet, dass Gott als Urwesen an sich nicht unendlich seye, vielmehr im Gegentheil wird behauptet: dass Gott auch als Urwesen an sich unendlich seye.

    bb) Also ist Gott als Urwesen, sowie auch Vernunft, Natur und Menschheit, sofern sie diese bestimmten, unterscheidbaren Wesen sind, als solche gleichwohl jedes nach ihrer Eigenwesenheit und nach ihrer Form, unendlich, und im Innern unendlich bestimmt, und als solche nur einmal, nur Ein Selbwesen (oder Individuum).

    Der grundwesenliche Unterschied der Selbheit Gottes als Urwesens von der Selbheit Gottes, sofern Gott in sich unter sich und durch sich Vernunft, Natur und Menschheit ist, kann hier nicht erklärt werden; und es werde daher nur bemerkt, dass Gott als Urwesen eben Gott selbst ist als über Vernunft, Natur und Menschheit, dass mithin auch die Selbheit Wesens - als - Urwesen als die höhere, höherartige Selbheit zu denken ist in Hinsicht der in Gott untergeordneten Selbheit der Vernunft, der Natur und der Menschheit.

    cc. Insonderheit also Vernunft (Geistwesen) und Natur (Leibwesen) sind jede in ihrer Art unendlich, aber in ihrer Unendlichkeit im Innern unendlich bestimmt, das ist vollendet endlich und zwar zuförderst als diese Wesen; das ist, sie sind in sich eine unendliche Zahl vollendet endlicher, nach allen Wesenheiten bestimmter, Einzelwesen oder Individuen, denen wiederum alle Grundwesenheiten auf vollendet endliche Weise zukommen, und die in, mit und durcheinander zugleich in ihrem unendlichen Ganzen, der Vernunft und der Natur, sind.

    Wenn sowohl die analytische Betrachtung als auch die synthetische Deduction weit genug fortgesetzt, und gesetzmässig vereint werden, so wird erkannt, dass die Vernunft in sich das Reich unendlich vieler individueller Geister und dass die Natur in sich das Reich unendlich vieler vollendet endlicher Leiber ist; welche ein vollendetes Gleichnissbild der Vernunft und der Natur in der vollendeten Vereinigung und Harmonie aller ihrer Wesenheiten sind.

    dd. Ebenso, da Vernunft und Natur in Gott, durch Gott, nach ihrer ganzen Wesenheit vereint sind, so sind sie es auch, sofern sie die beiden entgegenstehenden Reihen vollendet endlicher Individuen in sich sind und enthalten; so dass diese beiden Reihen vereint sind als Menschheit, welche somit erkannt wird als Ein aus unendlich vielen Individuen bestehendes Ganze.

    ee. Der vollendet endlichen Zustände aber des Endlichen sind unendlich viele, weil auch die Wesenheit des Endlichen, als solche, wiederum unendlich ist; und nur sie alle zugleich sind die ganze, vollendet endliche Wesenheit des Wesens, dessen Zustände sie sind. Gleichwohl schliessen sich alle diese vollendet endlichen Zustände an demselben Wesenlichen wechselseitig aus, da sie mit unendlicher Bestimmtheit alles Andere nicht sind. Also ist das vollendet endliche Wesen Beides zugleich, das ist, alle seine Zustände, und doch nur auf einmal ein jeder von diesen Zuständen einzeln; das ist: es ist in steter Aenderung nach der Form der Zeit, es ist ein stetiges Werden.

    ff. Also sind die Wesen selbst vor und über ihrem Werden in der Zeit; sie selbst entstehn und vergehen nicht, sondern nur ihre unendlich endlichen bestimmten Zustände. Auch das Aendern selbst ist unänderlich, und bleibend in der Zeit. Auch die Zeit ist unendlich, unentstanden, und ihr stetig fortschreitender Verflusspunct ist Einer für Gott und für alle Wesen. Alles in der Zeit Werdende ist die Wesenheit Gottes und aller Wesen selbst, wie sie in sich als vollendete Endlichkeit ist, und sich offenbart. Alles Individuelle eines jeden Verflusspunctes (Momentes) ist eine eigenthümliche und einzige Darstellung der ganzen Wesenheit Gottes in Gott; oder jeder Moment des Geschehens (der Geschichte) ist einzig, von unbedingtem göttlichen Inhalt und Werthe. Gott selbst als das Eine, selbe, ganze Wesen ändert nicht, und ist in keiner Hinsicht zeitlich, oder in der Zeit; denn in keiner Hinsicht ist Gott an sich Endlichkeit, noch ist eine Grenze um Gott; und die vollendete zeitlichwerdende Endlichkeit ist nur an dem Wesenlichen in Gott.

    gg. Gott selbst als Urwesen ist der Eine, selbe, ganze Grund und Ursache des Einen stetändernden Werdens in ihm: und, infolge der Gottähnlichkeit, ist auch jedes endliche Wesen in Gott in dem Gebiete seiner eigenen Wesenheit nächster Grund und Ursache seines ganzen stetändernden Werdens alles Individuellen in ihm; aber nur als untergeordneter endlicher Mitgrund und Mitursache, in Abhängigkeit von Gott als dem Einen Grunde und der Einen Ursache der Wesenheit jedes endlichen Wesens. Also stellen alle endlichen Wesen in Gott, auch als Grund und Ursache mit Gott als Urwesen und mit allen andern endlichen Wesen vereint, an und in ihrem vollendetendlichen (individuellen) Werden die Wesenheit Gottes in einem endlichen Gleichnissbilde (oder Ebenbilde) dar.

    hh. Gott ist mithin auch zeitlicher Grund und zeitliche Ursache seines inneren stetigen Werdens, das ist, Gott ist Grund und Ursache der zeitlichen, unendlichen Bestimmtheit (Individualität) in jedem Zeitpuncte: oder: Gottes inneres Werden ist ein Selbstgestalten, Selbstbilden. Da wir nun die Eigenschaft: seine Wesenheit in unendlicher Bestimmtheit stetig ändernder Zustände in der Zeit als ewiger und als zeitlicher Grund, und als ewige und als zeitliche Ursache, selbst zu gestalten oder darzubilden Leben nennen, so folgt: Gott ist in sich das Eine lebende Wesen, - das Eine Leben; nicht aber: Gott ist nur Leben. Und jedes endliche Wesen in Gott ist in der genannten Eigenschaft lebend, Ein Leben; aber ebenfalls nicht nur Leben. Gott ist der Eine ewige und zeitliche Grund und die Eine ewige und zeitliche Ursache des Einen Lebens selbst und jedes untergeordneten Lebens, eines jeden für sich und eines jeden mit jedem vereint, das ist auch des Lebenvereines und des Vereinlebens aller Wesen, also auch des Lebenvereines und des Vereinlebenvereines und des Vereinlebens jedes individuellen endlichen Geistes und seines organischen Leibes.

    ii. Von dem Leben Gottes gelten, infolge der Gleichwesenheit Gottes, alle göttlichen Grundwesenheiten; es ist mithin Ein, selbes, ganzes Leben und im Innern dem Gliedbau der göttlichen Wesenheiten gemäss, also selbst Ein unendlicher Gliedbau (Organismus).

    Und das Aehnliche gilt wiederum von jedem untergeordneten endlichen Leben aller endlichen Wesen, folglich ist auch jedes endliche Wesen auch als lebendes Wesen zunächst an und für sich selbst wesenlich und zwar eigenthümlich und einzig, zuhöchst aber als organischer Theil des Einen Lebens Gottes; und so ist es auch zuerst zu erkennen und zu würdigen.

    kk. Die obersten Theile des Einen Lebens Gottes sind, gemäss dem Wesengliedbau: Leben Gottes als Urwesens, Leben der Vernunft (Geistleben), der Natur (Leibleben) und Leben der Vernunft und der Natur in Vereinigung, worin der innerste vollwesenliche Theil das Leben der Menschheit ist, welche, als das innerste Vereinwesen von Vernunft und Natur, das Vereinleben beider, unter sich und mit Gott als Urwesen, enthält. Und zwar enthält das Eine Leben Gottes alle diese Theil-Leben jedes für sich und jedes vereint mit jedem.

    ll. Da das Leben Ein Gliedbau (Organismus) und zwar sofern es dieses Bestimmte ist, ein endlicher jedoch in seiner Art unendlicher Gliedbau ist, so hat es auch Bedingtheit an und in sich, welche in Ansehung der ewigen Wesenheit der lebenden Wesen und des ewigen Grundes des Lebens eine ewige (ewigwesenliche), aber hinsichts der zeitlichen Bestimmtheit und des zeitlichen Grundes des Lebens eine zeitliche (zeitwesenliche) Bedingtheit ist; welche beide Arten der Bedingtheit auch zugleich unter sich vereint sind und bestehen.

    mm. Gottes Leben ist unbedingt und ganz vollvwesenlich (vollkommen) in der Einen unendlichen Zeit, und in jedem Momente ist es auf eigenwesenliche und einzige Weise dem ganzen Leben ähnlich, also auf eigenwesenliche und einzige Weise vollwesenlich (vollkommen); und ein Aehnliches gilt von jedes endlichen Wesens Leben, jedoch nur auf vollendet endliche Weise.


    Das Gute

    nn. Das Wesenliche, welches Gott in der unendlichen Zeit bildet (schafft), ist Gottes Wesenheit, das Göttliche der Gottheit, als das  E i n e  G u t e,  und sofern es in der Zeit besteht, als das Eine Gut; die göttliche Wesenheit aber, sich selbst in der Zeit darzustellen (darzubilden, zu offenbaren), ist Gottes Gute, Also: Gott ist unbedingt und unendlich gut, das ist: die Eine, unbedingte und unendliche Güte, das Eine Gute, das Eine (höchste) Gut. Daher ist auch der Gehalt des Lebens jedes endlichen Wesens die zeitliche Darstellung seiner eigenen Wesenheit als eines Theiles der Einen Wesenheit Gottes; diess ihm alleineigne Wesenliche ist sein Gutes und sein Gut, und darin, dass es dasselbe zeitlich darstelle, besteht seine Güte.

    Daher ist auch das endliche Vernunftwesen darin vollendet gut, dass es sein Eigengutes, weil es ein Theil ist des Einen Guten der Gottheit, im organischen Vereine mit dem Einen Leben Gottes und aller Wesen, zeitlich gestalte, und auf ihm alleineigne (eigenthümliche) und einzige Weise vollende.

    oo. Dass das Eine Gute dargebildet werde in der unendlichen Zeit, ist wesenlich, so wahr Gott Gott ist; es geschieht oder erfolgt also gewiss und als das Seyende in der Einen Zeit und in aller Zeit; das heisst: es ist das Zeitlich-Nothwendige*) der Einen unendlichen Gegenwart. Sofern aber in jedem Zeitpuncte des Einen Lebens Gottes nur Einer von unendlichvielen vollendet endlichen (individuellen) Zuständen da ist, und alle nur nacheinander sind, ist das Zeitlichnothwendige das Eine, selbe, ganze Zeitlichmögliche zu jeder Zeit und für jede Zeit. Ferner das Zeitlichnothwendige sofern es als Vollendet-Endliches in der Zeit da ist, ist das Zeitlich-Daseyende oder das Wirkliche. Das Mögliche, als solches ist hinsichts der ganzen Zeitreihe das, was werden soll; und dass das Eine Gute, welches seyn soll, in der Einen unendlichen Gegenwart stetig in jedem Momente in einziger, unendlich bestimmter Gestalt werde, diess ist das Eine, der ganzen unendlichen Zeitreihe gemeinsame Wesenliche, also das Eine Gesetz des Lebens Gottes.


    Erläuterung des Begriffes "nothwendig"

    Nothwendig wird Alles genannt, was und sofern es ganz oder in irgend einer Hinsicht das Eine und einzige Wesenliche ist. Daher steht das Nothwendige dem Freien nicht in der Art entgegen, dass das Nochwendige nicht frei und alles Freie nichtnothwendig, oder auch alles Nichtfreie nothwendig wäre.

    Daher ist auch für jedes endliche Vernunftwesen das einzige Zeitlichnothwendige: dass es seine eigne Wesenheit als organischen endlichen Theil der Wesenheit Gottes, welcher in, unter und durch die Eine, selbe, ganze Wesenheit Gottes mitenthalten ist, in Lebeneinheit mit Gott und mit den endlichen Wesen, in der unendlichen Zeit, auf ihm alleineigne (eigenthümliche) und einzige Weise gestalte. Diess ist ihm das Einzige, was in der Zukunft geschehen kann und geschehen soll; und dass dieses durch es selbst, als in Gott untergeordnetem endlichem Mitgrund geschehe, ist das Eine Lebengesetz jedes endlichen Vernunftwesens.

    Das Gute aber, als das Gesollte, ist des Lebens Zweck; und den Lebenzweck zeitlich wirklich zu machen (ihn herzustellen, darzuleben), ist des Lebens Bestimmung. Also Gott ist sich selbst, als das Eine Gute, auch der Eine Lebenzweck; und für jedes endliche Vernunftwesen ist es sein eigner Lebenzweck: dass es seine ganze Wesenheit, als eigenlebliche, zeitlich individuelle Wesenheit darbilde in der unendlichen Zeit, jedoch nur weil seine Wesenheit ein untergeordneter endlicher Theil der Wesenheit Gottes, - weil sein Lebenzweck ein untergeordneter Theil des Lebenzweckes Gottes, und weil sein Gut ein untergeordneter endlicher Theil des Einen Gutes Gottes, also weil Gott auch für jedes endliche Vernunftwesen das Eine, selbe ganze, unbedingte und unendliche Gut (das höchste Gut) ist.

    qq. Gott ist sich sein selbst inne auch als des Einen lebenden Wesens, innerhalb seines urwesenlichen Selbstinneseyns, seines Selbstbewusstseyns, seines Selbstempfindens (Selbstgefühles), und innerhalb seines aus dem Selbstbewusstseyn und dem Selbstgefühle vereinten Selbstinneseyns. Gottes Wissen des Einen unendlichen Lebens (Lebenschauen) und Gottes Empfinden des Einen unendlichen Lebens (Lebenempfindung, Lebengefühl) ist hinsichtlich des Einen, selben, ganzen Lebens Eines, ein selbes und ganzes, unbedingt und unendlich, auf einmal, zugleich, unänderlich, bleibend in der Einen unendlichen Gegenwart; und dabei sind Beide zugleich auch hinsichts des unendlichen, unendlich bestimmten, alleineignen und einzigen Lebenzustandes in jeder Stelle des Zeitabflusses (in jedem Momente des Verflusspunctes der Zeit) unendlich eigenthümlich und einzig, und in unwandelbarer Vollwesenheit und Vollkommenheit stetig werdend. Gott weiss auch alles Zeitliche auf unbedingte, unendliche Weise bis in die letzten Theile der eigenleblichen Bestimmtheit, jedes Zeitliche für sich, und alles Zeitliche in allen seinen zeitlichen Beziehungen; und ebenso ist alles Zeitliche auch in seiner wesenlichen Beziehung zu dem ganzen Lebenzwecke Gottes, ja zu Gott selbst, Gotte als dem unendlichen Gemüthe gegenwärtig. Gott weiss auch und empfindet auf göttliche Weise das zeitliche Wissen und Empfinden aller endlichen Wesen in ihm. Und Gottes Lebenschaun und Lebengefühl ist, in vollendetem Einklang (in vollendeter Harmonie) mit Gottes urwesenlichem Selbstinneseyn, in Gottes Einem, selbem und ganzem Selbstinneseyn enthalten.

    Auf ähnliche Weise ist jedes endliche Vernunftwesen sich auch seines Lebens, und durch Gott verursacht, des Lebens über und neben ihm inne in Wissen (Schaun) und Empfinden (im Gefühle) und im Vereine des Wissens und des Empfindens. Seine Erkenntniss des Lebens ist nur wesenhaft und vollwesenlich, das ist, wahr, - sein Gefühl des Lebens ist nur wesenhaft und vollwesenlich, das ist, selig, - und der Verein Beider ist nur dann wesenhaft und vollwesenlich, das ist, seliges Wissen und wissende Seligkeit, - wenn und sofern das endliche Vernunftwesen sich als in, unter und durch Gott, und in Einheit mit dem Leben Gottes, weiss und fühlt, und insbesondere, nur sofern es weiß und fühlt, dass es das Eine Gute auf durchgängig endliche, aber allein eigne einzige Weise darlebt, lediglich weil das Gute die in der Zeit erscheinende, dargebildete Wesenheit Gottes ist.


    Die Freiheit

    qq. Gott als das Eine, selbe, ganze Wesen ist der zeitliche Grund seines Einen Lebens: das ist, Gott selbst bestimmt sich selbst stetig in der Zeit, seine Wesenheit in unendlicher Bestimmtheit im Leben darzustellen, oder: unendliche, unbedingte Freiheit ist die Art und Weise (die Form), wonach Gott, gemäss dem Einen Lebengesetze, seine Wesenheit, als das Eine Gute, in der Zeit darlebt. Die Freiheit Gottes setzt also Zweck und Gesetz des Lebens voraus; denn sie ist die Form der Erwirklichung und Erfüllung des Lebenzweckes nach dem Gesetz, oder: sie ist die Form der gesetzmässigen Darbildung des Wesenlichen in der Zeit; sie steht mithin dem Nothwendigen nicht entgegen, sondern ist selbst die Form, wie das Zeitlichnothwendige möglich ist und wirklich wird.

    Da aber alle göttliche Wesenheiten an dem Leben sind, so ist es mithin, in der unendlichen Zeit, und in jeder endlichen Zeit, ja in jedem Momente, auf einzige Weise, Ein organisches Ganze des Unendlich-Endlichen, Eigenleblichen oder Individuellen, - an sich selbst Ein göttliches, unendliches Kunstwerk, dessen einzelne Glieder also Gott in unendlicher Freiheit, nach dem ewigen Zweckbegriffe des Lebens, gemäss dem Begriffe des eigenleblichen (individuellen) Organismus mit unendlicher Hinsicht auf das soeben Wirkliche, von oben hereinwirkend, bestimmt.

    Gemäss der innern Wesenheitgleichheit Gottes kommt allen endlichen selbständigen und selbstinnigen Wesen in Gott eigenthümliche, vollendet endliche Freiheit zu. Der höchste Bestimmgrund aber der endlichen Freiheit endlicher Wesen ist auch für sie die Wesenheit Gottes; und ebendesshalb auch nehmen sie den eigenthümlichen Lebenszweck aller andern mit ihnen vereint lebenden endlichen Wesen als Mitbestimmgrund für ihre Freiheit auf: und jedes endlichen Wesens Freiheit ist im Verhältnisse der Bedingtheit, und zwar der untergeordneten Bedingtheit, welche abhängig ist von der unbedingten Freiheit Gottes und von der nebengeordneten Freiheit der anderen mit ihm vereinlebenden endlichen Wesen. .Aber auch die Freiheit endlicher Wesen ist und bleibt ein Inneres: und von äusserer Freiheit kann nur insofern die Rede seyn, als die Freiheit welche an sich ein Inneres ist, in dem Verhältnisse der äusseren Bedingtheit steht. Die Freiheit der endlichen Wesen ist von Gott auf ewige, nicht auf zeitliche Weise, verursacht; sie ist daher selbst ein Ewiges, Unabänderliches, welches nicht als von der göttlichen Freiheit in der Zeit jemals aufgehoben oder vernichtet gedacht werden kann. Der Organismus der Freiheit aller endlichen Wesen besteht unänderlich in ewiger Vereinwesenheit in, und unter und mit der unbedingten Freiheit Gottes, so dass jener Organismus nach allen seinen eigenleblichen Erweisen (individuellen Aeusserungen) in jedem Zeitraum durch den ganzen Gliedbau der endlichen Wesen, - durch das ganze Universum, von Gottes unbedingter Freiheit ganz und durch und durch, bis aufs Kleinste, abhängig ist, und von Gottes Freiheit bestimmt und lebengeleitet (regiert) wird, indem Gott gemäss seinem unendlichen, auch das Eine, ganze Leben aller endlichen Wesen des Weltalls umfassenden, unendlich bestimmten (individuellen) Lebenplane und Rathschlusse, die Freiheit aller endlichen Wesen erweckt und bildet, aber auch die Wirksamkeit der endlichen Freiheit entweder zulässt und befördert oder auch verneint und beschränkt.

    Hier wird aber unter Freiheit lediglich die Selbwesenheit (Selbständigkeit) der zeitlichen Verursachung verstanden, nicht aber, wie es in mehreren philosophischen Systemen geschieht, die Selbwesenheit der ganzen Verursachung überhaupt, welche zugleich mit der zeitlichen auch die urwesenliche, ewigwesenliche, und die vereinwesenliche Verursachung in sich befasst. Wird Freiheit in diesem unbeschränkten Sinne genommen, so muss dann die Eine unbedingte Freiheit von der urwesenlichen, ewigwesenlichen, zeitlichwesenlichen und vereinwesenlichen Freiheit sorgfältig unterschieden werden.

    Sofern die Freiheit endlicher Wesen in der Bedingtheit steht, ist sie selbst ein zeitlich Werdendes, mithin ist sie auch insofern selbst in den Lebenzweck, als die werdende Form desselben, aufzunehmen; das ist, sie soll, und zwar selbst mit Freiheit, zum Zweck gesetzt, und die Bedingnisse derselben sollen selbst im Leben mit Freiheit hergestellt werden. Aber die Freiheit ist nicht erstwesenlich ein Zeitliches, zeitlich Bedingtes, noch ist das Leben bloss seine Form die Freiheit, sondern das Leben ist sein ganzer Inhalt, das Eine Gute, worin auch die Freiheit, sofern sie selbst ein zeitlich Werdendes und Bedingtes ist, als ein besonderes Gute mitenthalten ist.

    Desshalb kann also auch die Freiheit endlicher Vernunftwesen nicht als der Eine Zweck und Inhalt des Rechts und des Staates, sofern nur als auch einer der grundwesenlichen Zwecke derselben, anerkannt werden.

    rr. Gott als die freie Ursache, dass das Zeitlich-Mögliche in steter Gestaltung wirklich werde, ist das Eine unbedingte, unendliche Vermögen; und insofern Gott als Vermögen auf das künftige darzulebende Gute wesenlich sich selbst bezieht, ist Gott der Eine unbedingte, unendliche Trieb, dessen sich Gott inne ist als des heiligen Sehnens nach dem künftigen Guten, als nach seiner eigenen in der Zeit verwirklichten Wesenheit, im unendlichen Erkennen, dass das, was künftig wirklich werden soll, an sich und individuell gut ist, und im seligen Gefühle der Uebereinstimmung alles jetzt und künftig Wirklichen mit Gottes Eignem Triebe. Sofern Gott die einzige zeitlich individuelle Ursache des im Verflusspuncte stetig werdenden Lebens ist, ist Gott die Eine, unbedingte unendliche Thätigkeit; diese aber ist in ihrer unendlich bestimmten Wirksamkeit gedacht, die Eine, selbe, ganze Kraft (Lebenkraft, Macht), welche selbst in sich zugleich auch Allkraft (Allmacht) ist. Gott selbst aber, als Eines, selbes, ganzes Wesen, ist der freie, zeitliche Grund der Bestimmtheit und Richtung der Einen göttlichen Thätigkeit und der Kraft, d. i. Gott ist der Eine, unbedingte unendliche Wille, als die Göttliche freie Selbstbestimmung, seine Thätigkeit auf das Eine ganze Gute in unendlicher Bestimmtheit zu richten; und in dieser Eigenschaft nennen wir Gott heilig. Gottes Einer Wille ist zuerst überhaupt auf die Verwirklichung des Einen, ganzen Guten in der unendlichen Zeit gerichtet, als Gottes allgemeiner Wille; zugleich aber auch bestimmt Gott seinen allgemeinen Willen in jedem Momente zu einem unendlich bestimmten oder individuellen und dennoch unendlichen Willen, der in einer unendlich bestimmten Thätigkeit, in Einem Akte, in Einer Willenshandlung, das Eine ganze Leben umfasst, das ist, das Urleben Gottes als Urwesen und das Leben aller endlichen Wesen in aller Welt; kraft welchen Willens Gott seine Lebenthätigkeit also bestimmt und richtet, dass das Eine Leben in jedem Momente eine eigenthümliche und einzige vollwesenliche Darbildung der göttlichen Wesenheit seye. - Gottes Wille ist in Gottes unendlichem Wissen und Empfinden und in Gottes unendlichem Triebe mitbegründet: daher ist der eigenlebliche (individuelle) Wille Gottes in jedem Zeitnun ein weiser, weseninniger (liebinniger, gütiger), heiliger Rathschluss. Darin dass Gott sich sein selbst inne ist als der Einen, freien, heiligen Ursache des Lebens, ist Gottes Selbstinneseyn als Selbsterkennen, als Selbstempfinden und als Beides vereint, vollwesenlich.

    Der unbedingten inneren Gleichheit der Wesenheit Gottes zufolge gelten diese Wesenheiten von allen endlichen selbstinnigen Wesen, sofern sie freier Grund ihres Guten sind auf endliche Weise; sie sind endliches Vermögen, endlicher Trieb, endliche Thätigkeit und Kraft, und endlicher freier Wille des Guten. Auch ihr allgemeiner und ihr eigenleblicher (individueller) Wille des Guten ist, sofern er vollendet ist, lediglich bestimmt durch die Erkenntniss, das Gefühl und den Trieb des Guten; oder: nur das Gute als Gottes Wesenheit selbst seyend, ist der Antrieb (die Triebfeder) ihres Willens. Nennen wir nun die gottähnliche Wesenheit des endlichen Vernunftwesens: freie Ursache des Guten, als solchen, zu seyn, - das heisst, das Gute frei zu wollen und zu vollbringen, - Sittlichkeit, die Sittlichkeit aber als bleibenden Zustand gedacht Tugend, so ist hiemit die göttliche Wesenheit, der göttliche Ursprung, und die unbedingte Würde der Sittlichkeit und der Tugend erkannt. Also ist das Eine, als unbedingt und allgemein für alle endliche Vernunftwesen, als solche gültig erkannte Sittengesetz oder Tugendgesetz diess:

    sey freie Ursache des Guten, als des Guten: oder: wolle und vollführe das Gute, weil es gut ist; das heisst, weil das, was du willst und wirklich machst. ein Theil der in der Zeit erscheinenden Wesenheit Gottes ist.

    Will und handelt das endliche Vernunftwesen also, und ordnet es dabei sein individuelles Wollen und Handeln in jedem Momente dem individuellen Rathschlusse Gottes unter, so ist es in ganzer Gottähnlichkeit mit Gott, als des freien Urhebers des Lebens und alles Guten, und zugleich mit Gottes individuellem Rathschlusse in seliger Uebereinstimmung und es ist dann ein im Endlichen gottähnlicher Mitarbeiter Gottes an dem unendlichen, ewigen Werke des Lebens.


    Das Schöne

    1) Wesen, als Gliedbau der Wesenheit und der Wesen an und in sich Seyendes ist an und in der Ewigwesenheit der Theilwesenheiten und Wesen Sich selbst wesenheitgleich: d. i. Wesen ist an und in Sich schön. Denn Wesen ist Sich selbst ganz und nach allen Wesenheiten wesenheitgleich; und jede Grundwesenheit hat wiederum die Eine, selbe und ganze Wesenheit Wesens auf alleineigne Weise an sich; und jedes bestimmte Wesen, welches Wesen selbst in, unter und durch sich ist, ist mit Wesen selbst ähnlich, und zwar als dieses, eben nach seiner Allein-Eigenwesenheit. Diess aber ist Schönheit.

    Die Schönheit ist also an ihr selbst eine Grundwesenheit Wesens; und zwar an Wesen, da zuerst eine jeder der Grundwesenheiten Wesens selbst und jede mit jeder vereint schön ist; aber auch in Wesen, insofern Wesen auch als in sich der Gliedbau der endlichen Wesen und Wesenheiten Seyendes schön ist. Und da die Wesenheitgleichheit mit Wesen an allem endlich und bestimmt Wesenlichem, an allen endlichen bestimmten Wesenheiten und Wesen, sowie auch in selbigen, ist, so ist Schönheit zum Theil auch an und in den endlichen Wesenheiten und Wesen, als deren Eigenwesenheit oder Eigenschaft: und ihre endliche Wesenheitgleichheit mit Wesen. d. i. mit Gott, oder ihre Schönheit, besteht eben darin, dass jede Wesenheit und jedes Wesen auf alleinige Weise, gemäss ihrer Gliedbaustufe, den Einen, selben und ganzen Gliedbau der Wesenheit Wesens an und in sich sind und haben. Auch endliche Wesen sind mithin schön an und in sich selbst, sofern sie als diese endlichen Wesen, nach ihrer Allein-Eigenwesenheit die Wesenheit Wesens, d. i. die Gottheit Gottes, an und in sich sind und haben; und da die Wesenheitgleichheit derselben mit Wesen auf ihre ganze Allein-Eigenwesenheit sich erstrecket, so ist auch ihre Grenzheit, sogar ihre Grenze selbst, nach deren ganzer Bestimmtheit schön. - Daher leuchtet auch das Schöne, als solches, an und für sich selbst ein, wie Gott selbst: denn Schönheit ist die am Bestimmtwesenlichen daseyende und erscheinende Wesenheit Wesens. Das Schöne ist es durch seine gesetzte Wesenheit, - durch sein Seyn - nicht durch sein Beziehen und Bedeuten.

    "1 .Aber ebendesshalb ist auch die Bedeutsamkeit alles Wesenlichen, wonach selbiges an Gottes Wesenheit erinnert, und sie anzeigt und bezeichnet, schön; gleichsam ein Zug der Einen Schönheit Gottes und aller endlichen Wesenheiten und Wesen in Gott. Deshalb ist auch die Sprache ein schönes Kunstwerk. (S. Abriss des Systemes der Philosophie.Abth. l, Th. ;. S. 5I ff.)

    Von Gott als dem Einen, selben und ganzen Wesen, vor und über der Gegenheit und Unterscheidung seiner Wesenheiten und inneren Wesen, kann nicht gesagt werden, dass Gott schön sey, wohl aber dass Gott die Eine, selbe, ganze Schönheit an und in Sich ist und enthält; und dass Gottes Eine Schönheit der vollwesenliche Gliedbau der Schönheit in sich ist und selbigen enthält, - also auch Allschönheit ist und enthält. Aller endlichen Wesen und Wesenheiten endliche Schönheit ist an sich, in der Wesenschauung, betrachtet, die innere Schönheit Gottes, sofern Gott in sich, unter sich, und durch sich der Gliedbau der Wesen und der Wesenheiten ist. Alle endlichen Wesen und Wesenheiten haben ihre eigene Schönheit; aber nur der Gliedbau der Schönheit aller endlichen Wesen und Wesenheiten ist das Eine, selbe, ganze vollwesenliche Schöne des Endlichen.

    Da in dieser Theilwesenschauung der Schönheit die Eine, selbe, ganze, Schönheit Gottes gedacht wird, noch vor und über der Entfaltung derselben in den Gliedbau der Schönheit nach allen göttlichen Wesenheiten, so ist auch die Gegenheit der Seynheit nach erst in und unter dieser Theilwesenheit der Schönheit mitbegriffen. Zuerst wird also hier erkannt: dass die Eine, selbe, ganze, Schönheit Gottes wesenlich ist, in aller Hinsicht, auch in Hinsicht also der Seynheit (der Seynart, Modalität), also auch in Ansehung der vollendeten werdenden Endlichkeit des Einen Lebens unänderlich, bleibend, aber auch zugleich das Eine, selbe, ganze Leben mitbefassend. Und ebendaher gilt auch von dem Wesengliedbau, oder der Welt, dass auch sie Eine vollwesenliche, unänderliche, bleibende Schönheit ist.

    Und da die Schönheit selbwesenliche Gottähnlichkeit nach allen Wesenheiten Wesens (nach allen Kategorien) ist, so ist der Gliedbau der Grundwesenheiten auch der Gliedbau der Grundwesenheiten der Schönheit; mithin muss das Schöne, als solches, Wesenheit haben und an der Wesenheit Einheit, Selbheit, Ganzheit, Vereinheit, innere Gegenheit, Mannigfalt, Gliedbauheit (Ebenmass und Harmonie), Vollwesenheit, Vollständigkeit.

    Die Schönheit ist an den unbedingten, unendlichen Grundwesenheiten Wesens, an dem urwesenlich Seyenden, am Ewigwesenlichen, am Zeitlichwesenlichen, und an dem vereint ewig und zeitlich Seyenden; also auch am Leben. Denn da Gott in der Einen unendlichen Zeit Sich selbst darlebt und in der unendlichen Bestimmtheit des Lebens Sich selbst wesenheitgleich ist, so ist Gott auch die Schönheit des Lebens(die Lebenschönheit, die lebendige Schönheit) ; und Gottes Leben selbst ist schön.

    Und da von dem ganzen Wesengliedbau das Aehnliche gilt, was von Wesen selbst gilt, so folgt, dass Gott-als-Urwesen. dass Vernunft, Natur und Menschheit, jedes für sich und alle vereint mit allen, auf alleineigne Weise schön sind: und zwar nach ihrer ganzen Wesenheit und Daseynheit, also auch lebenschön; dass also auch ihr Leben eine eigne Schönheit hat; und dass ihrer aller Schönheit zusammenstimmt in die gliedbauliche, vollwesenliche innere Schönheit Gottes.

    Ferner, weil Gott Sich eben darin im Leben selbst gleich ist, dass Gott sich selbst, das ist, das Gute, darlebt, so ist die Schönheit des Lebens nur am Guten: das ist, nur das Gute ist lebenschön, und was lebenschön ist, das ist insofern gut. Und weil die Lebenschönheit selbst in Gottes Lebenzweck aufgenommen ist, und durch Gottes unendliche unbedingte Freiheit in heiligem Willen hergestellt wird, so ist die Lebenschönheit selbst ein Theil des Einen Guten, und ein Theil des Einen Gutes, in der unendlichen Gegenwart vollwesenlich, in jedem Zeitnun aber auf alleinige Weise vollkommen, hervorgehend in Gott durch Gottes heiliges Wirken. Gott, als vollwesenlich erwirkend seine Lebenschönheit ist der unendliche Künstler des Lebens. Das Selbstinneseyn seiner unendlichen Schönheit, und darin auch seiner Lebenschönheit, ist ein Wesentheil der unendlichen Seligkeit Gottes.

    Alle endliche selbstinnige Wesen aber sind auch darin Gott ähnlich, dass sie an ihnen selbst als lebenden Wesen, an ihrem eigenen Guten, auch ihre eigene Schönheit, in reinem, dem heiligen Willen Gottes ähnlichem Willen darbilden können und sollen, - als endliche Künstler der Schönheit. Daher ist das freie Erwirken und Bilden der Schönheit, die schöne Kunst (Schönkunst), ein Wesentheil des Lebenzweckes und der Bestimmung der Vernunft; es ist ein unbedingter, an sich selbst würdiger Lebenzweck; und das Selbstinneseyn der eignen Schönheit und insbesondere der eignen Lebenschönheit, sowie der Schönheit anderer endlichen Wesen, dann des Gliedbaues der Wesen (der Schönheit der Welt), zuerst aber und zuhöchst der unendlichen Schönheit Gottes und darin der Lebenschönheit Gottes, - ist ein Wesentheil der endlichen Seligkeit der endlichen selbstinnigen Wesen, ist reine göttliche Freude, rein gottinniges Gefühl. Und da die Menschheit, als zugleich mit Gott-als-Urwesen vereinlebend das vollwesenliche, vollständige Vereinwesen in Wesen ist, so ist auch die ganze Schönheit der Menschheit, und insbesondere die Lebenschönheit der Menschheit, die vollwesenliche, vollständige ganze Schönheit und Lebenschönheit innerhalb des Gliedbaues der Wesen in Gott, und eben daher, ist der Mensch, als das vollwesenliche und vollständige vollendet-endliche Vereinwesen, auch das vollwesenlich und vollständig in vollendeter Endlichkeit schöne Wesen, also auch bestimmt, das vollwesenlich und vollendet lebenschöne Wesen zu seyn, und als vollwesenlicher und vollendeter endlicher Künstler die Lebenschönheit zu gestalten; - und alle Menschen sind auch dazu bestimmt und ewig berufen, sich gesellschaftlich zu der Anschauung der Schönheit und zu Darlebung der Schönheit in Einer organischen Lebenkunst des Schönen (Schönlebenkunst oder Lebenschönkunst) als Eine Menschheit mit Gottes Hülfe zu vereinigen.


    Weltbeschränkung, das Wesenwidrige und das Böse

    2) Das Leben aller endlichen Wesen wird selbst dem Gliedbau seines Gesetzes gemäss, und entfaltet sich stufenweis und hat dabei seine Bedingniss theils in sich, theils aber auch ausser sich, und zwar über und neben sich. Da nun ferner alle endlichen Wesen in dem Einen Verflusspuncte sich zugleich lebenbilden in endlichen Lebenkreisen, die, wechselseits sich beschränkend, sich durchdringen; da das Leben jedes endlichen Wesens stetig fliesst und als Ganzes von dem endlichen Leben aller endlichen Wesen, deren Lebenkreise seinen Lebenkreis durchdringen, mitabhängig ist; da das gesammte auf einmal fortschreitende Leben aller endlichen Wesen die Vollendung des Lebens der einzelnen endlichen Wesen nicht abwarten kann, während zugleich jedes endliche Wesen, sowie alle anderen, zunächst seine eigne Wesenheit darzubilden und zu vollenden in endlicher, bedingter, selbst nach und nach werdender Freiheit des Wollens und des Wirkens bestrebt ist; so findet sich das Leben aller endlichen Wesen in allen diesen Hinsichten beschränkt in und durch das Leben aller im Gliedbau der Wesen enthaltenen Wesen, so weltbeschränkt, - es entfaltet sich innerhalb der Weltbeschränkung. Ferner finden sich auch an dem Leben der endlichen Wesen alle Grundwesenheiten, also auch die der Verneinung der Wesenheit, und wiederum die Verneinung der Verneinung. Alle diese Bestimmnisse des Lebens der endlichen Wesen zusammengenommen sind der Grund der ewigen Wesenheit (oder Nothwendigkeit) und der zeitlichen Wirklichkeit sowie auch der zeitlichen Aufhebung der Theil-Nichtwesenheit, das ist der Fehlbildung (Missbildung), und des der bestimmten Stufe der Lebenentfaltung unangemessenen Mangels im ganzen Gebiete des Lebens der endlichen Wesen.

    Das Mangelhafte und das Fehlgebildete also ist das Wesenwidrige und Wesenheitwidrige, das ist, das die vollständige Wesenheit wirklich theilweise in der Zeit Verneinende, also auch zugleich das Schönheitwidrige und Unschöne (Hässliche). Man nennt das Wesenwidrige gemeinhin das Uebel; wobei man jedoch gewöhnlich noch stillversteht, dass es nicht aus dem freien Willen der endlichen Wesen entsprungen seye; da aber Wesenwidrigkeit, das ist Mangelhaftigkeit und Fehlbildung, des freien Willens (Unsittlichkeit und Untugendsamkeit) endlicher Wesen das innerste, tiefste Uebel derselben ist, so soll hier unter: dem Uebel, das Wesenwidrige jeder Art und Stufe begriffen werden. Dasjenige Uebel aber, welches und sofern es der wesenwidrige Wille der endlichen freien Wesen selbst ist, oder durch selbigen mitverursacht ist, soll, dem gewöhnlichen Sprachgebrauch gemäss: das Böse (Unsittliche, unsittlich Schlechte) genannt werden.

    Das Wort schlecht, ursprünglich gleichbedeutend mit schlicht,. bedeutet das Ebene. in der Fläche Gleiche; da es dann aber auch das Widrige bedeutet. so ist es hernach für: unedel, geringe, verächtlich. genommen worden, und bedeutet somit eine Art des Bösen überhaupt; im engeren Sinne aber auch die Niedrigkeit und überhaupt die Wesenwidrigkeit der Gesinnung. des Wollens und des Handelns freier endlicher Vernunftwesen.

    Das Wesenwidrige, das ist: das Uebel überhaupt und das Böse insbesondere, hat sein Gebiet nur im Zeitlichen, nur im Leben, vollendet endlicher Wesen als solcher, und es gilt auf keine Weise von dem Einen, selben, ganzen Leben Gottes, als wenn es an selbigem, und um selbiges wäre; also durchaus nicht von Gott, das ist nicht von Gott als dem Einen, selben, ganzen Wesen (Orwesen), noch auch von Gott-als-Urwesen; und in keiner Hinsicht kann gesagt werden, dass das Uebel von Gott zeitlichverursacht werde oder dass Gott am Uebel überhaupt und am Bösen insbesondere irgend einen Antheil der Wesenheit oder der zeitlichen Verursachung habe. Ferner ist das Uebel nur am Wesengemässen, das ist, am Guten, und verneinet und hebt auf, immer nur einen Theil des Guten; das Uebel ist also nie wahre Einheit, nie rein, nie selb (selbständig), nie ganz, nie wahre Vereinwesenheit (nie harmonisch, nie organisch), nie auch und in keiner Hinsicht schön.

    Was von der Verneinheit überhaupt gilt, dass sie nicht an und in sich selbst, sondern bloss wechselbezüglich an und in der bejahigen Gegenheit ist: das gilt auch von derjenigen besonderen Art der Verneinheit, welche das Nichtwesenheitliche und das Wesenheitwidrige des endlichen Lebens, das heisst: das Uebel ist.

    Ferner ist das Uebel stets nur als Ausnahme und als Abweichung von der gesetzmässigen Lebenentfaltung (als Anomales, Abnormales) wirklich. Da aber dennoch auch das Uebel den allgemeinen nothwendigen Lebengesetzen folgt, so ist es ebendadurch vermittelt, dass das Uebel zur gesetzlichen, bestimmten Zeit selbst wieder verneint und aufgehoben, also dann das Gute wiederhergestellt wird; - wovon die Gewissheit in der Einsicht mitenthalten ist: dass Gott auch in jedem endlichen Wesen an und in dessen endlicher Wesenheit in der unendlichen Zeit auf eigenthümliche, einzige endliche Weise Sich selbst darlebt. Ferner, das Wesenwidrige, sofern es nicht ein blosser Mangel ist, ist an und für sich Selbstwesenliches, und nur in der Bezugheit und Vereinwesenheit ist es dann wesenwidrig, also ein Uebel; sofern es aber an sich selbst und an für sich allein ist, ist es selbst Wesenheit und wesengemäss, also gut; alles Böse also, sofern es bejahig ist, und an und für sich allein ist, ist gut, und bloss im Verein ist es ein Uebel.

    Durch das Wesenheitwidrige im Leben der Welt wird nicht Gott selbst mangelhaft noch verunreint; und durch Gottes individuellen Willen selbst wird nichts Wesenwidriges, das ist, kein Uebel, noch Böses, verursacht, noch veranlasst, noch irgendhinsichtlich befördert, sondern vielmehr verneint, verhindert und entfernt, wenn und soweit diess dem individuellen Rathschlusse Gottes in jedem Zeitnun gemäss ist. Das Wesenwidrige und das Böse insonderheit ist ferner unmittelbar die im Leben wirkliche oder thatsächliche Bestätigung der ewigen Wahrheit: dass jedes endliche Wesen nur in der übereinstimmigen Vereinwirkung des ganzen Lebens der Welt, in Vereinwirkung des ganzen Lebens Gottes-als-Urwesens, und nur mit Gottes eigenleblicher Hülfe, seinen eigenthümlichen Lebenzweck und seine eigenthümliche Bestimmung vollwesenlich erreichen kann.

    Das Wesenwidrige, sofern es von aussen unmittelbar oder mittelbar mitverursacht wird, erscheint in Anschauung des endlichen Wesens, woran es ist, als Unglück, das Wesengemässe dagegen, in derselben Hinsicht, als Glück: aber Beides ist hinsichts Gottes, und hinsichts des Einen Lebens Gottes, nicht zufällig. Jedes endliche Wesen also ist dem Glücke und dem Unglücke ausgesetzt, also auch der Glückseligkeit und der Unglück-Unseligkeit (dem Unglückschmerze, der Unglückseligkeit); Wesen selbst aber, das ist, Gott, ist vor und über jedem Glück und Unglück, jeder Glückseligkeit und Unglück-Unseligkeit. Und auch jedes endliche selbstinnige und Gottes innige, Gottes vollbewusste und Gott fühlende, Wesen kann, wenn und soweit es in rein guter Gesinnung mit Gott einstimmig, und im Reinguten mit Gott lebenvereint ist, auch an Gottes Seligkeit auf endliche Weise, aber wesenhaft, theilhaben; das ist, es ist der Gottseligkeit, der ewigen (d. h. der ewigwesenlichen, nicht: der in der unendlichen Zeit stetigen) endlichen Seligkeit schon fähig; - und zwar diess schon innerhalb der Weltbeschränkung, und des Gebietes des Unglückes, des Uebels und des Bösen, wenn das endliche Vernunftwesen sich rein im Göttlichen des Lebens, d. i. im Guten, hält, und ohne Hinsicht auf Lohn und Strafe, auf Lust und Schmerz, noch auf seine endliche Selbstwesenheit (individuelle Persönlichkeit), als allein diese, sondern vielmehr in Einer, ganzer, selber, einziger Hinsicht zu Gott, als in Gott, für Gott, mit Gott, durch Gott das Gute will und thut, auf solche Weise Gott in Gottseligkeit umsonst (nicht um Vergeltung) dienend. Diess ist das erhabenste und schönste Lebniss im Leben endlicher Wesen, welches innerhalb der Weltbeschränkung, und durch selbige vermittelt, in -Gottes Einem inneren Leben, mit Gottes Hülfe, in ewiger Jugend hervorgeht; - ohne dass doch die Weltbeschränkung selbst und das Uebel überhaupt, oder in der Absicht, um die endlichen Vernunftwesen im Unglück göttlich zu verklären, von Gott in Gottes individuellem Willen vorgeordnet wäre, oder veranstaltet würde.

    Da in der unbedingten Bejahung, und bejahigen Setzung des Einen Guten, die unbedingte und ganze Verneinung und verneinige Setzung des Wesenwidrigen d. i. des Uebels überhaupt und des Bösen insbesondere mitenthalten ist, so ist darin also auch insonderheit die Verneinung und verneinige Setzung des Unglücks und der Unglück-Unseligkeit mitenthalten; - und zugleich auch die Bejahung und bejahige Setzung in Ansehung des Glückes und der Glückseligkeit, das ist, die Anerkenntniss und Aufnahme, also auch die Aufsuchung und Erhaltung des durch das Glück gegebenen Wesenlichen des Lebens, das ist des durch Glück gegebenen Guten und der dadurch gegebenen Güter. Die Bejahung, also auch Beförderung, Aufsuchung, Erhaltung, Vermehrung und Benutzung des Glücks, und die Verneinung, das ist die Verhinderung, Vermeidung, Verminderung, Abwehrung und Unschädlichmachung des Unglückes, ist also auch in den Einen Lebenzweck aller vernünftigen, endlichen Wesen aufzunehmen als ein Wesentheil der Vernunftbestimmung, und da die endlichen Vernunftwesen nur im gesellschaftlichen Lebenvereine, unter sich, und im gesetzmässigen Vereine mit dem Leben der Welt zuhöchst aber und zuerst nur im Lebenvereine mit Gott-als-Urwesen, (in Religion) ihren ganzen Lebenzweck, ihre ganze Vernunftbestimmung im Leben darstellen können, so besteht zugleich für die endlichen Vernunftwesen die sittliche Verpflichtung, sich zu Bejahung des durch Glück gegebenen Guten, sowie zu Verneinung des durch Unglück gegebenen Uebels unter sich gesellschaftlich zu vereinigen, auf dass sie im gesetzmässigen Wechselleben mit der Welt, und im Vereinleben mit Gott-als-Urwesen, soweit es Gottes ewigem Lebengesetze und Gottes individuellem Rathschlusse gemäss ist, dem in der Weltbeschränkung möglichen und wirklichen Uebel entgehen, und auch der Glückseligkeit theilhaftig werden mögen, - welche indess nur ein untergeordneter Theil der Einen Gottseligkeit der endlichen Vernunftwesen ist. Und da die durch Freiheit zu bewirkende bejahte Setzung des Glückes und die verneinte Setzung des Unglückes zugleich eine von der Freiheit abhängige Bedingniss der Erreichung der Vernunftbestimmung, also ein bestimmtes Recht, ist, so findet also auch die gesellschaftsrechtliche Befugniss statt, dass die endlichen Vernunftwesen auch für die Herstellung dieses Rechtes sich gesellschaftlich vereinigen. Und alles dieses gilt von der Menschheit und den Menschen, als dem innersten Vereinwesen in Gott vollwesenliche Weise.

    3) Gott ist seiner selbst inne nach seiner Einen selben und ganzen Wesenheit, daher auch seiner selbst als des Einen, selben und ganzen lebenden Wesens; und auch von allen endlichen selbstinnigen Wesen, also auch von der Menschheit und von allen Menschen, gilt, dass sie ihres Lebens selbst inne sind. Da ferner alle selbstinnige Wesen in ihrem Leben Gott im Endlichen ähnlich sind, so folgt, dass die Menschheit und der Mensch, als die Gott vollwesenlich ähnlichen endlichen selbstinnigen Wesen in Gott, auch in Ansehung der Selbstinnigkeit Gott vollwesenlich ähnlich sind; dass sie also auch Gottes inne sind im Erkennen, Empfinden und Wollen, und ihrer selbst, dass und wie sie in, unter und durch Gott, an ihnen selbst und vereint mit den Wesen der Welt und mit Gott-alsUrwesen sind und leben. Da nun Gott, das ist: Wesen, sein selbst inne ist, auch sofern Gott in sich der Gliedbau der Wesen und Wesenheiten ist; und da auch die endlichen Wesen in Gott ihrer selbst, anderer endlicher Wesen, und Gottes, inne sind, so ist mit dem Worte: Weseninneseyn, oder: Weseninnigkeit, das Ganze dieser Wesenheit, auch als alle ihre inneren Theile befassend, bezeichnet: so dass das Weseninneseyn auch das Inneseyn des Lebens, - das Leb-Weseninneseyn, in und unter sich begreift.

    Ich habe die Wörter: gottinnig, Gottinnigkeit, Gottinneseyn, gebildet, um statt der Wörter: religiös, Religiosität, Religion, sachgemässe deutsche zu haben. (Siehe "Urbild der Menschheit".) Gottinnigkeit bezeichnet zugleich die Innigkeit Gottes gegen Ihn selbst und gegen alle endliche Wesen, und die Innigkeit aller endlichen vernünftigen Wesen gegen Gott; aber die Innigkeit der endlichen Wesen gegen sich selbst und gegen andere endliche Wesen wird durch dieses Wort nicht mitumfasst: dagegen: Weseninneseyn und Weseninnigkeit, allumfassend (universal) sind, und daher auch das Inneseyn endlicher Wesen gegen endliche Wesen mitbezeichnen.

    Da ferner Gottes Wesenheit auch Vereinwesenheit, also Gott in sich das Eine, selbe und ganze Vereinwesen, mithin das Leben Gottes auch in sich das Eine selbe und ganze Vereinleben ist, worin das selbständige Leben aller Wesen des Gliedbaues der Wesen allgliedrig und allseitig vereinlebt: so ist das Wesenvereinleben auch ein Wesentheil des Guten, des Lebenzweckes und der Selbstbestimmung Gottes, also ist auch Gott als Vermögen, Trieb, Thätigkeit und Kraft, und als frei wollendes Wesen, auf die zeitliche Verwirklichung des Einen, selben und ganzen Wesenvereinlebens gerichtet und verwirklichet auch selbiges vollwesenlich in der Einen unendlichen Zeit, und auf eigenwesenliche, einzige Weise auch in jedem Zeitnun. Und ein Aehnliches gilt auch von jedem endlichen selbstinnigen Wesen nach seiner Stufe im Wesengliedbau; vollwesenlich Gott ähnlich aber ist auch hierin die Menschheit und der Mensch, als das der ganzen Wesenheit nach Gott vollwesenlich ähnliche Wesen. Daher umfasst das Weseninneseyn und die Weseninnigkeit auch das Wesenvereinleben, als Vereinleben-Inneseyn und Vereinleben-Innigkeit, und zwar zuerst Gottes, zugleich aber auch aller endlichen, selbstinnigen Wesen in Gott. - Das Weseninneseyn aber, und darin auch das Vereinlebeninneseyn, und das vereinte Darleben des Guten selbst ist der innerste Wesentheil der Einen Schönheit Gottes und der endlichen Schönheit aller endlichen Wesen.


    Die Liebe

    Aber die Weseninnigkeit als gerichtet auf das Wesenvereinleben, d. i. die Vereinleben-Innigkeit, wird Liebe genannt. Da nun die Weseninnigkeit Gottes auf die innere Lebenvereinigung Seiner selbst mit Ihm selbst, - folglich auch untergeordneter Weise aller endlichen Wesen mit Gott-als-Urwesen und untereinander, - nach dem Gesetze des Wesengliedbaues, - gerichtet ist: so ist Gott die Liebe, die Eine, selbe und ganze, unendliche und unbedingte Liebe. Gott liebt Sich selbst und alle Wesen mit unendlicher Liebe; - Gott ist liebinnig, - die Liebinnigkeit (charitas). Alle endliche selbstinnige Wesen aber lieben Gott, nach Massgabe ihrer Gottinnigkeit, das ist ihrer Gotterkenntniss und ihres Gottgefühles, und alle endliche Wesen, sowie in gehöriger Stufe auch sich selbst als in Gott seyende, gottähnliche Wesen; - und die endliche Liebe endlicher Wesen ist und soll seyn Ein Gliedbau in ihrer Einen Liebe zu Gott. Die Weseninnigkeit und Wesenliebe der Gott schauenden und fühlenden Wesen, die dann auch nur das Gute als das Göttliche darzuleben streben, ist also Liebinnigkeit (charitas, pietas, fromme Liebe) zu Gott, und zu Allem, was und sofern es gottähnlich in Gott ist. Der weseninnige, und liebinnige Mensch giebt daher in reingutem Willen allen endlichen Wesen, mit denen er zusammen und vereint lebt, Friede, und ist bereit, sich mit allen Gutgesinnten zu Darleben des Göttlichen und Schönen zu vereinen.

    Dem geltenden Sprachgebrauche gemäss bedeutet schon das Wort: innig, die Richtung des Vermögens, des Triebes, der Thätigkeit und der Kraft, und des Willens nach Vereinigung des Lebens hin. In diesem Sinne kann das Wort: Weseninnigkeit, ohne weiteren Beisatz, mit: Liebe. gleichgeltend gebraucht werden, und so habe ich in früheren Schriften dieses von mir gebildete Wort gebraucht. Dann enthält die Eine Weseninnigkeit oder Gottinnigkeit die Liebe Gottes zu Gott und zu den endlichen Wesen, und die Liebe der endlichen Wesen gegen sich selbst und gegeneinander, in diesem unbedingten, unendlichen und allumfassenden Sinne habe ich zuerst die Liebe dargestellt in der Schrift: "Urbild der Menschheit". S. 305 ff und S. 420 ff und in dem "System der Sittenlehre". S. 449 ff.

    Gottes Urweseninnigkeit und Urliebe entspricht auch eigenleblich (zeitlich individuell) der Gottinnigkeit und der Gottliebe aller endlichen Wesen; das ist: Gottes Selbstleben-Innigkeit ist auch auf den Verein seiner urwesenlichen Lebeninnigkeit mit der Leben-Innigkeit aller Wesen in ihm gerichtet, auch sofern sie nach Lebenverein mit Gott-als-Urwesen ihren Trieb richten, und nach Urwesen-Vereinleben sich sehnen. Gott giebt sich also wesenlich den heiliggesinnten, Gott liebenden endlichen Wesen in Liebe zu erkennen und zu empfinden, und vereinlebt mit ihnen in Liebe.

    Die Liebe steht in Wesenbeziehung zu der Schönheit als der Gottähnlichkeit des Endlichen als solchem; sie geht aber nicht allein auf Schönheit, sondern sie ist begründet durch das Eine, selbe, ganze Gute, welches auch die Schönheit des Lebens an und sich ist.

    Gott selbst ist die Liebe. Aber Gott ist nicht lediglich Liebe, nicht nicht weiter Nichts als Liebe: denn Liebe ist eine einzelne untergeordnete Eigenschaft Gottes und aller endlichen selbstinnigen Wesen. Gott lebt sich selbst dar in der Liebe und mit Liebe nicht bloss aus Liebe, d. h. nicht lediglich um der Liebe willen. Also auch der reinsittlich gesinnte, weseninnige, Gott und alle Wesen in Gott liebende Mensch thut das Gute, rein weil, es das Göttliche ist, rein in und mit Liebe zu Gott und zu allen Wesen, nicht aber erstwesenlich oder allein aus Liebe, das ist, nicht nur um der Liebe willen. Und eben diess: rein das Gute wollen und thun, weil es das Göttliche ist, nicht aber zuerst oder allein um der Liebe willen, macht die endlichen Wesen der Reinvollwesenheit (Würde) und der Schönheit theilhaftig. also der Liebe empfänglich und würdig.


    Gottes Vorsehung

    Gott umfasst mit seinem unbedingt freien, allgemeinen und eigenleblich (individuell) bestimmten, heiligen Willen und Rathschlusse das Eine selbe und ganze Leben, also auch den Gliedbau des Lebens aller endlichen Wesen des ganzen Wesengliedbaues, bestimmend und leitend (regierend), darüber waltend, und in selbiges von oben hereinwirkend mit Liebe: also auch es unendlich schauend. sofern das Leben in der Einen Gegenwart ist, des Vergangenen gedenkend, und das Künftige voraussehend; auch es unendlich empfindend, und in das göttliche Gemüth aufnehmend: - so dass in jedem Zeitnun Gottes eigenleblicher Wille und Rathschluss auf unendliche Weise von Gott also bestimmt ist, wie es der unbedingten, unendlichen Vollwesenheit des Einen Lebens in der unendlichen Zeit, wie es der endlichen und bestimmten Vollwesenheit des Lebens in den nächstvorhergehenden und allen vorhergehenden Zeittheilen, der eigenthümlichen und einzigen von Gott frei erwählten Vollwesenheit der endlichen Gegenwart, und der endlichen und bestimmten Vollwesenheit des Lebens in der nächstfolgenden und in allen folgenden Zeittheilen gemäss, das ist so, wie es in aller Absicht gut ist. In dieser Eigenschaft ist Gott die Vorsehung.

    Da diese Grundwesenheit Gottes die ganze unendliche Zeit umfasst, so bedeutet hier: vor nicht: voraus der Zeit nach, sondern: für, dass Gott für Alles Gute in Weisheit und Liebe Sich selbst bestimmt; und dafür alles anordnet oder verordnet. lm Allgemeinen sollte also lieber: Fürsehung gesagt werden, welche dann auch die Voraussehung. die Vorausordnung, und die Voraussorge, in sich befasst.

    Und da Gott auch in Ansehung des Lebens vollwesenlich ist, so dass Gott seinen Lebenzweck vollwesenlich erreicht; aber das Leben Gottes auch das Leben aller endlichen Wesen, des ganzen Wesengliedbaues in, und unter und durch sich enthält: auch Gott die weise, liebende Vorsehung ist: so folgt, dass auch unter Gottes freiem Walten, und unter Gottes freier Leitung (Regierung), das Leben des ganzen Wesengliedbaues, und jedes einzelnen, sowie aller Vereinten, endlichen selbstinnigen Wesen zur Vollwesenheit und Vollkommenheit in aller Zeit in Mitwirkung der endlichen Freiheit der endlichen Wesen, gedeihe, und seinen Lebenzweck darbildend, seine Bestimmung erreicht. Und da jedes endliche selbstinnige Wesen sich selig fühlt, soweit es auf die ihm alleineigne Weise sein Gutes, als sein Göttliches, weil es ein Theil der Wesenheit Gottes ist, will und vollführt, und soweit es sich Gott ähnlich, und mit Gott vollwesenlich auch im Leben vereint weiss: so gelangt auch jedes endliche lebende Wesen, mit der Erreichung der Vollwesenheit seines Lebens, zu seiner endlichen Seligkeit, welche Gottseligkeit ist. Gottes unendlicher Lebenplan umfasst also auch die Seligkeit aller endlichen Wesen, in unter und durch die Eine, selbe und ganze Seligkeit Gottes.


    Das Heil Gottes und das Heilsgesetz

    Dass nun Gottes Wesenheit, als das Gute, vollwesenlich dargelebt seye und werde, und als dargelebte Wesenheit als das Eine bestehe, ist das Heil, das Eine. selbe und ganze Heil Gottes; dass ferner jedes endliche Wesen seine eigne Wesenheit, in unter und durch Gottes Wesenheit, weseninnig und wesenvereint darlebe, und dass diess Darleben bleibend seye, ist jedes endlichen Wesen eignes ganzes Heil. Und da ferner Gott seinen Lebenzweck mit Freiheit nach dem Lebengesetze, und nach der Lebenordnung, erreicht, auch jedes endliche lebende Wesen auf eigne Weise seinen endlichen Lebenzweck mit endlicher Freiheit nach seinem Lebengesetze, und nach seiner Lebenordnung, ebenfalls weseninnig und wesenvereint zu erreichen strebt, und Gott selbst über dem Leben aller endlichen Wesen und in ihm als weise liebende Vorsehung waltet: so ist das Eine Lebengesetz und die Eine Lebenordnung Gottes auch so bestimmt, dass nach ihnen Gottes Heil wirklich seye und bleibe, und dass sie auch alle endliche Wesen zu ihrem Heile in dem Einen Heile Gottes führen; - als das Gesetz des Heiles, und als die Ordnung des Heiles. Und sowie Gottes Leben und Gottes Heil, und Gottes Lebengesetz Eines, so ist auch Gottes Heilsgesetz Eines, und Gottes Heilsordnung ist Eine, umfassend das Eine Leben Gottes, und i n ihm und unter und durch es zugleich auch das Leben aller endlichen Wesen im Wesengliedbau (in aller Welt, im ganzen Universum), und in der Einen Zeit, sowie in jedem Theile und Puncte der Zeit. Und auch das Lebengesetz jedes endlichen Wesens ist das Gesetz seines eignen innern Heiles, und seine Lebenordnung ist auch seine eigne Heilsordnung, welche untergeordnet übereinstimmen, und auch eigenleblich übereinstimmen sollen mit Gottes Heilsgesetz und mit Gottes Heilsordnung, indem das endliche Wesen sein eignes Heilsgesetz dem Gesetze des Heiles Gottes mit freiem Willen unterordnet, und es danach bestimmt und bestimmen lässt.


    Das Erbarmen Gottes

    5) Gott ist sich auch inne des Wesenwidrigen, das ist des Uebels und des Bösen am Leben der endlichen Wesen innerhalb der Weltbeschränkung, und zwar als der wieder im Leben zu verneinenden oder aufzuhebenden Verneinheit des Lebens endlicher Wesen: daher ist Gottes seliger Urtrieb in unendlicher Liebe darauf gerichtet. das Wesenwidrige in dem Einen Leben aller endlichen Wesen des Wesengliedbaues, lebgesetzmässig, und der Ordnung des Heiles gemäss, wirklich zu verneinen und zu vernichten. Die Liebe Gottes nun, sofern sie Gefühl der Wesenheitverneinheit (der Beraubung der Wesenheit) der in der Weltbeschränkung im Unglücke stehenden endlichen Wesen ist, verbunden mit dem Triebe, sie von dem in der Weltbeschränktheit verwirklichten Wesenwidrigen, und von dem Schmerze desselben zu befreien, heisst Erbarmung, das ist, mitfühlende (theilnehmende) Liebinnigkeit. Gott also ist das sich unendlich der endlichen Wesen erbarmende Wesen, - unendliches Erbarmen.

    Und da Gott sein ganzes Leben vollwesenlich vollführt, und als weise, liebende Vorsehung auch alle endliche Wesen zum Heile leitet, so vollführt Gott auch in unendlicher Erbarmung die Verneinung der Verneinung des Wesenlichen im Leben, das ist die Vernichtung des Wesenwidrigen, - des Uebels und des Bösen. Gott also befreit in erbarmender Liebe gemäss seinem Lebenplane und seinem Heilsgesetze wirklich alle endliche Wesen von der in der Weltbeschränkung gegebenen theilweisen Wesenheitverneinung, das ist vom Uebel und vom Bösen, und errettet sie daraus. Die untere Grundlage der Errettung und Erlösung vom Uebel und vom Bösen ist, dass die endlichen Wesen wiederum Gottes inne werden, und ihrer selbst als in unter und durch Gott seyender und lebender Wesen; dass sie ihr Gutes in dem Einen Guten Gottes erkennen und rein als solches wollen; das ist, dass sie sich wiederum, mit Gottes erbarmender Hülfe, heiligen. Gott ist also der Heilige, der Heiligende, und das Heil. Gott ist ewig, in liebinniger Erbarmung aller endlichen Wesen heiligender (heilender) Erretter und Erlöser, und aller wieder geheiligten, vom Wesenwidrigen befreiten endlichen Wesen ganzes, volles ewiges Heil; gemäss seiner Einen Ordnung des Heiles und der Erlösung, welche als Vorsehung alle Wesen des Wesengliedbaues (alle Wesen der Welt) vollwesenlich umfasst, und sich ewig gleich ist für die ganze unendliche Zukunft, aber dabei für jedes Wesen, und für jeden Zeitraum, für jeden Zeitkreis (Periode) des Lebens unendlich eigenthümlich und einzig ist. Die Erlösung vom Wesenwidrigen, - vom Uebel und vom Bösen, - durch Reingutes in erbarmender Liebe ist Eine stetige, sich ewig gleiche, in jedem Zeitnun eigenleblich einzige heilige, unendlich gute und schöne Handlung (Act) Gottes.

    Gott rettet und erlöset alle Wesen zur rechten Zeit, auf die rechte Weise, in unendlicher Weisheit, Heiligkeit, Gerechtigkeit und Liebinnigkeit vom Wesenwidrigen, - vom Uebel und vom Bösen; Gott leitet und führt sie alle wiederum zu Gott, und dadurch wieder zu ihnen selbst, und zum Guten. Bei Gott ist ewige Erbarmung, ewige Hülfe, ewige Herstellung in das Gute, nicht ewige Verdammniss, nicht ewiges Verstossen irgend eines endlichen, selbstinnigen Wesens in irgend einer Hinsicht. Gott ist auch in seiner erbarmenden Liebe Sich selbst gleich, Gott ist unendlich treu. Gott will das Heil und die Seligkeit aller Wesen, und Gott erreicht in seliger Liebe den Zweck seines heiligen Willens an allen seinen Wesen. Auch Lust und Schmerz jedes endlichen Lebens hat Gott gemessen; und jede Lust und jeder Schmerz hat für jedes endliche Wesen ein Grösstes. Gott ist auch der Menschheit dieser Erde Heil; - auch unser Heil, auch unsere Hülfe, wenn wir rein göttlich gesinnt, gottinnig, und mit Gott in Geist und Gemüth vereint, das Gute wollen und thun.

    6) Gottes Vollwesenheit des Einen Lebens, oder Gottes Glorie (und Herrlichkeit), ist der vollständige Verein aller göttlichen Grundwesenheiten des Lebens, welche bishieher wissenschaftlich entfaltet worden sind; und dass Gott seine Eine Wesenheit vollwesenlich im Vereinwirken aller göttlichen Leben-Grundwesenheiten darlebt, ist Gottes unendliche Würde (Majestät) und Ehre. Darin aber, dass das endliche Vernunftwesen, im Vereinwirken seiner Grundwesenheiten seines endlichen Lebens, Gott ähnlich ist, besteht seine endliche Vollkommenheit und seine endliche Würde und Ehre, in Gott, vor Gott, vor ihm selbst, und vor allen anderen endlichen Vernunftwesen.